der Ferne, wo die Meere enden... So sind die Füße wie das Herz immer auf den Spuren der Welt- und Gottsucher. Wo, wo ist der Schlüssel zur Welt, zur Erkenntnis?!
So muß ich es immer weiter treiben, dieses unselig- selige Wandern, dieses Unterwegssein nach einem unbekannten Ziel. Was ich auch grübele, am Ende steht immer das eine Wort: weiter!
Meine unermüdlichen Füße tragen mich durch die argentinische Pampa. Hier ist man allein mit sich und dem endlosen Schweigen der Natur.
Ich durchquere die öde, trostlose Provinz Santa Lucia. Wüste, wohin das Auge blickt, eine unheimliche Mondlandschaft, tückisch, wie verwünscht, das Schweigen ist bedrückend, mein Tritt auf den Steinen tönt dumpf und fremd. Ich könnte mich in den einsamen Stunden manchmal über mich selbst ärgern: wenn es in Fremde und Wildnis geht, wo kaum einmal ein Mensch seinen Fuß hinsetzt, bin ich meist allein. Warum halte ich denn da nicht rechtzeitig nach einem Begleiter Umschau? Es findet sich doch immer jemand, der irgendetwas mitmacht, was im Sinne des guten Bürgers unvernünftig ist. Und zu zweit kommt man in den wilden und unsicheren Gebieten bestimmt besser durch als allein.
Tagaus tagein Wandern, Meilenfressen. Hügel, Berge, Felsen, wenig Bäume und Pflanzen, gelbe Ebene, kleine Kraterseen, metallisch schimmernd wie das Geröll, das unter meinen Füßen knirscht. In der Ferne ein schwarzblauer Dunst. Ich glaube, es sind die Konturen des großen Gebirges, das sich durch ganz Südamerika unweit der anderen Küste hinzieht, die Riesenbarriere der Kordillieren.
Kordillieren! Das läßt mein sehnsüchtiges Herz wieder höher klopfen! Mit diesem Namen hängen wunderliche und romantische, abenteuerreiche Begebenheiten zusammen, das ist ein Wort voll Klang, eine Station in der Menschheitsgeschichte, ein Begriff aus der Zeit einer großen Wende! Die Übermenschen aus einer herrischen Rasse, die Conquistadoren, haben durch Urwald und über dies gigantische Randgebirge ihre Entdeckungsfahrten gemacht, ohne Karten, ohne Kenntnis des Landes, ohne jedes Hilfsmittel, und sie haben Wunder an Kühnheit und Mut vollbracht. Auf ihren Spuren zu wandern- ist das nicht allein schon ein Erlebnis, das diese so improvisierte, im eigentlichen Sinne ziel- und zwecklose Reise rechtfertigt?
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