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Weltreise nach Dachau : ein Tatsachenbericht nach den Erlebnissen des Weltreisenden und ehemaligen politischen Häftlings / Max Wittmann ; aufgezeichnet von Erich Kunter
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Mein Bedarf an Kaffee und Kaschaß war gedeckt. Mich gelüstete es, andere Gefilde kennenzulernen. Immerhin, Südamerika hatte es mir angetan. Ich wollte noch nicht wieder ganz weg, sondern etwas mehr von diesem Zipfel des Erdballs sehen.

Ich strebte in Richtung Süden, kam zu Schiff, zu Fuß, mit Kraftwagen nach Buenos Aires , der Hauptstadt Argentiniens . Ein Städtebild, oft erlebt, in aller Welt wiederkehrend: Wolkenkratzer, Geschäftshäuser, Prachtbauten, Tag und Nacht Betrieb. Buenos Aires liegt in schöner Umgebung am La Plata, es ist umsäumt von schmucken Villenvororten.

Auf einer der kleinen Stationen bei Buenos Aires traf ich eine kleine Ge­sellschaft von Linjeros an. Linjeros sind argentinische Landarbeiter, die im Innern Argentiniens meist zu den Weinernten, aber auch sonst zu allerlei Feldarbeiten eingestellt werden. Der Bedarf an solchen Landarbeitern ist in Argentinien sehr groß, die Umstände, unter denen der Bedarf gedeckt werden kann, sind schwierig. Die Linjeros finden daher die Unterstützung der Be­hörden. So wird es still geduldet, daß die Leute mit den Güterzügen unent­geltlich fahren. Nicht selten fahren 30-50 Linjeros auf einem Güterzug mit. Den Namen ,, Linjero" haben diese Arbeiter von ihrem Gepäckstück erhalten. Dies besteht aus einer Decke, die sie geschickt über Kreuz knüpfen, und in der sie ihre paar Habseligkeiten mit sich tragen. Bei uns heißt man das etwa ,, sein Bündel schnüren". Die Decke ist ein unentbehrliches Gepäckstück; sie strecken sich darin lang zum Schlafen, sie wickeln sich darin ein, um sich gegen Fröste und andere Unbill der Witterung, gegen Moskitos und sonstige In­sektenplagen zu schützen.

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