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Weltreise nach Dachau : ein Tatsachenbericht nach den Erlebnissen des Weltreisenden und ehemaligen politischen Häftlings / Max Wittmann ; aufgezeichnet von Erich Kunter
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nur den Meilen nach, sondern in meiner Seele, in den Bezirken meines Denkens und Fühlens.

Ich nahm hier eine Gemme, dort ein Bastkörbchen in die Hand, strich zärt­lich über ein Nutriafell, legte meine Wange an ein Seidentüchlein und be­trachtete lange und hingegeben Bilder aus den verschiedenen Stationen meines Erdenwallens.

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Es lag in diesem Raum ein großer Zauber, dem ich mich ganz hingab. Ich war wieder ganz versponnen in meinen Traum". Wie damals, als ich im Schoß der grünen Heimat im Grase lag, schweiften meine Gedanken weit über Berge und Meere, verweilten und kreisten dann um Ziel und Erfüllung: Ferne Frau...

Nachts schlief ich lange und traumlos unter dem Dach des Vaterhauses. In vollen Zügen genoß ich die vertraute Wärme und gute Luft des Hauses, ließ mich von der guten Mutter verwöhnen, von den Geschwistern mit Hochachtung und Aufmerksamkeit behandeln. Verwandte und Bekannte kamen, bestaunten den Globetrotter, überschütteten mich mit Fragen. Ich wurde nicht müde, zu erzählen, ich nährte meinen Traum mit den Berichten.

Mein Bruder hatte eine kleine Empfangsfeierlichkeit im kleinen Saal eines Hotels veranstaltet. Dorthin kamen Freunde und Bekannte, auch viele Neu­gierige. Es hatte sich im Städtchen herumgesprochen, daß der Weltreisende wieder da sei. Ich wurde ein wenig gefeiert. Der Raum war mit Blumen dekoriert. Jemand hielt eine kleine Ansprache. Ich dankte für den freundlichen Empfang und erzählte dann wiederum von meinen Reisen und Erlebnissen in fremden Ländern und Erdteilen.

Zum Schluß jedoch kam der erste leise Miẞklang auf. Ein Bekannter be­endete das gesellige Beisammensein mit einem Trinkspruch, der in eine national­sozialistische Propagandarede ausklang. Er ging darin so weit, daß man fast einen Vorwurf heraushören konnte, warum ich nichts von den nationalsozia­listischen Organisationen im Ausland erwähnt habe." Wir dürfen wohl an­nehmen, daß unser Freund Wittmann sich der Pflicht eines guten Deutschen im Ausland bewußt ist, und daß er alles tut, um zu seinem Teil dem deutschen Ansehen im Ausland zur Geltung zu verhelfen, damit sich das Wort bewahr­heitet: Heute gehört uns Deutschland , morgen die ganze Welt!" Max wird bald wieder in die Welt hinausziehen. Möge er gesund und als guter Deutscher

Kunter- Wittmann, Weltreise 4

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