Monsun
Ich verdingte mich als ,, Rüberarbeiter" auf den 8000- Tonnen- Dampfer ,, Mosel " des Norddeutschen Lloyd , war Farbewascher und Rostklopfer, und so fuhr ich wieder zurück nach Bremen . Unsere Reise war diesmal noch stürmischer als die Herfahrt. Nach zwanzigtägiger Fahrt passierten wir das Kap Guardafui und fuhren in das Rote Meer ein. Das ist ein Dorado des Teufels. Eine infernalische Wasserwüste. Heiß, höllisch heiß, unerträglich heiß. Es ist einem, als klirre die unbewegte Luft wie splitterndes Glas vor Hitze. Dreck und Schweiß rinnt unaufhörlich an der klebrigen Haut herab, die Kehle trocknet aus, der Kopf schmerzt, wie betäubt bewegt man sich. Ein brodelnder Höllenkessel. Das Wasser dickflüssig, metallisch glänzend, wie Quecksilber, und träge wie Petroleum fließend. Die Sonne brennt und brennt, das Gehirn kocht, ein dumpfer Druck im ganzen Körper. Alles ist tot und wie gelähmt. Nirgendwo Vegetation oder Meeresleben. Das Eisen des Schiffes glüht, die Balken strömen Hitze aus. Ich dachte früher manchmal daran, wie es sein müsse, wenn man lebendigen Leibes in einen glühenden Backofen hineingeschoben wird. Jetzt kommt es mir so vor, als sei ich hier in eine solche Lage gekommen. Als sei eine eiserne glühende Wand um mich gespannt. Kein Luftzug. Nur Glut im leeren Nichts. Glühende Schwaden foltern die Nerven. Das Atmen fällt schwer. Menschen schleichen wie Gespenster dahin, machen fahrige, unsichere Bewegungen, taumeln, reden irr. Ich drehe mich im Kreise, als suche ich verzweifelt nach einem Ausweg, dieser Hölle zu entrinnen. Erbarmungslos muß man hindurch, ein wahres Fegefeuer. Hier hilft einem nichts und niemand. Man verwünscht die Sonne, sie ist hier der Feind. Der glühende Ball sengt und verbrennt alles Leben. Dieses Element an diesem Ort ist eine menschenfeindliche, brutale Gewalt, der man hilflos preisgegeben ist.
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