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Weltreise nach Dachau : ein Tatsachenbericht nach den Erlebnissen des Weltreisenden und ehemaligen politischen Häftlings / Max Wittmann ; aufgezeichnet von Erich Kunter
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hatten und ließen uns ohne weitere Untersuchung passieren. Die Mannschaft des Schiffes ,, Essen" war noch mit Laden beschäftigt. In einem günstigen Augenblick, wo ich der Sicht entzogen war, kletterte ich an der Schiffsleiter empor. Einmal an Bord, gelang es mir, unbemerkt in den Kohlenbunker unter­zuschlupfen. Da es in meinem Geldbeutel mal wieder sehr traurig aussah, konnte ich eine so weite Reise nicht als zahlender Passagier unternehmen. Ohne weiteres erhielt man aber auch keine Arbeit auf einem Schiff. Deshalb mußte ich also ungewöhnliche Machenschaften durchführen, um zum Ziel zu kommen. So war ich zunächst als blinder Passagier im Schiff einquartiert. Das Schiff stach bald in See. An den verschiedenen Läutesignalen und Schiffsschwankungen merkte ich, daß wir das offene Meer erreicht hatten. Nun kam es mir nicht mehr darauf an, entdeckt zu werden, und ich schlief den Schlaf des Gerechten . Auf der Höhe der Kanarischen Inseln wurde ich etwas unsanft geweckt. Der Kapitän nahm mich nicht unfreundlich an, musterte mich an Deck unter dem, Vorbehalt, daß er keine Garantie für meine persönliche Sicherheit übernehmen könne. Er befürchte, ich werde einmal bei einer der Streifen oder Revisionen auffallen und festgenommen werden.

Mit der Essen" fuhr ich nun um den halben Erdball nach Australien . Die Reise dauerte 51 Tage. Sie verlief ohne Zwischenfälle und im allgemeinen etwas einförmig. Wasser, nichts als Wasser, selten sah ich in der Ferne eine Küste, einen Landsaum. Ich konnte auch nicht viel nach landschaftlichen Reizen und Meeresstimmungen Ausschau halten, denn ich war zum Arbeiten auf diesem Schiff, und ich mußte so schwer ran, daß ich oft todmüde abends hin­sank und sofort einschlief.

Am Kap der Guten Hoffnung hatten wir schwere See. Die Wogen stürzten haushoch über uns hinweg und schienen das Schifflein verschlingen zu wollen. Mit übermenschlichen Kräften mußten alle Mann an Bord gegen den Sturm ankämpfen, die Hölle war los, das Unwetter raste und heulte. Himmel und Meer schienen ein einziger dunkler Abgrund zu sein. Im Aufbau des Schiffes krachte und splitterte es, einmal hieß es: Mann über Bord. Wie durch ein Wunder wurde der Mann dem nassen Element entrissen. Majestätisch und unbeirrt flogen die schönen Albatrosse hinter uns her, unsere ständigen Be­gleiter bis Australien . Die Vögel schwebten ruhig und sicher über den wilden Wogen, auf und nieder, sich den Wellenbergen harmonisch anschmiegend, als

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