doch konnte ich mich dem eigenartigen und bannenden Reiz seiner Fabulierkünste nicht entziehen, ich saß wie in einem magischen Bann, wie in einer Hypnose.
,, Hast du schon die Schlangenorchidee gehabt, und warum bist du nicht Orchideenjäger geblieben?" unterbrach ich ihn endlich wie aus einer Verzauberung heraus.
Er antwortete nicht sogleich, ich beobachtete, wie er durch meine Zwischenbemerkung in seinen Wortgespinsten gestört war, sich wie aus einem tiefen Traum zurückholte und dann mit einer veränderten Sprache wieder ruhig und nüchtern redete.„ Ich?" sagte er traurig ,,, ich bin ein kranker Mann. Malaria und ähnliches. Wie das so ist und unausbleiblich kommt. Ich hatte die blauen Indianer im brasilianischen Urwald gefunden, ich fand unter ihnen auch die wenigen, die das Geheimnis der Schlangenorchidee kannten. Sie halfen mir, nahmen alle Strapazen mit mir auf sich, wir entdeckten das Wunder der Orchidee, ich hielt sie in der Hand, aber wie ich sie brechen wollte, glitt ich auf dem Faulbaum aus, in dessen Sumpf sie blühte und verletzte mir den Fuß so, daß ich bewußtlos wurde und meine Begleiter mich hinwegtrugen. Ich unternahm dann mit wenigen Getreuen noch mehrere Streifzüge, fand sie aber nie mehr. Es war wie in einem Märchen, in dem die Wunschfee nur einmal erscheint, und wer dann sich nicht richtig verhält, dem entschwindet sie für immer."
Er trank aus und stand entschlossen auf.„ Komm, laß uns gehen, ich muß zu einer wichtigen Besprechung ins Büro."
Auf der Straße ging er nüchtern und festen Schrittes neben mir her. ,, Im Ernst", fing er nochmals an. ,, Orchideenjäger zu sein ist schwer und gefährlich, aber man kann reich werden. Es gibt Dollarmillionäre, die schwindelerregende Summen für seltene Exemplare von Orchideen zahlen. Fahre nach Portugal , dort hast du am besten Gelegenheit, nach Brasilien zu gelangen."
Unterwegs begrüßte Fritz einen Bekannten, er stellte ihn mir als Geschäftsfreund vor und sprach kurz mit ihm. Die Unterhaltung drehte sich um Chilesalpeter und Kunstdünger, mein Freund Fritz sprach knapp und sachlich, ich erkannte ihn nicht wieder, er hatte nichts mehr von dem glühenden, phantasietrunkenen Erzähler von vorhin an sich.
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