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Weltreise nach Dachau : ein Tatsachenbericht nach den Erlebnissen des Weltreisenden und ehemaligen politischen Häftlings / Max Wittmann ; aufgezeichnet von Erich Kunter
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und frohgemut in den nächsten Ort. Unbekümmert und ahnungslos durchzogen wir die Straßen, da, an einer Wegbiegung, wer beschreibt unsere Bestürzung, sehen wir unverhofft eben jenen serbischen Soldaten auftauchen, der uns vor ein paar Stunden festgenommen hatte. Er erkannte uns auch sofort und nahm uns erneut fest. Jetzt gab es kein Entrinnen mehr.

Wir wurden in einem Arrestlokal untergebracht. Resi war gefaßt und zu­versichtlich. Ich machte mir Vorwürfe, sie in eine solche Lage gebracht zu haben.

Ein paar Stunden später wurden wir in ein Amtszimmer geführt und ver­nommen. Außer dem Untersuchungsrichter waren zwei Beamte anwesend. Ich hatte einen gültigen Auslandspaß, Resi nicht. Auch war sie noch nicht volljährig. Unsere Personalien wurden vermerkt.

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,, Wer ist das junge Mädchen?" fragte der Richter durch den Dolmetscher. Eine Bekannte von mir, die sich mir zu einer Wanderung angeschlossen hat. Wir wollten nicht nach Jugoslawien , haben uns in der Gegend verirrt und unfreiwillig jugoslawischen Boden betreten."

Der Dolmetscher sprach längere Zeit mit dem Richter und wandte sich dann an Resi. Er stellte zunächst fest, daß sie die Tochter des Bürgermeisters im österreichischen Perneck und also aus gutbürgerlicher Familie sei. ,, Sind Sie wirklich freiwillig mit ihm gegangen?" fragte er sie.

Ja."

Er deutete dann an, daß wahrscheinlich erst Erhebungen im Heimatort des Mädchens gemacht werden müßten, um herauszubekommen, in welchem Ver­hältnis Resi zu mir stehe. Es muß untersucht werden, ob nicht Verführung oder gar Entführung vorliegt. Das wäre eine strafbare Handlung die mit emp­findlicher Freiheitsstrafe für den Mann geahndet werden würde."

Ich bekam einen gewaltigen Schrecken. Die schlimmsten Unannehmlichkeiten standen mir, vor allem aber meiner Begleiterin, bevor. Allein schon die Haft, die sich in diesem Fall wohl über mindestens eine Woche erstrecken würde. Dann aber auch die Demütigung durch die Nachforschungen in Resis Wohn­ort! Das mußte unbedingt verhindert werden. Mein Hirn arbeitete angestrengt. Wie konnten wir uns aus dieser überaus peinlichen Lage befreien?

,, Genügt es denn nicht, wenn ich eidesstattlich erkläre, daß ich freiwillig mit diesem Mann mitgegangen bin?" fragte Resi.

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