doch von niemandem in ihrer eigenen Lebenssphäre gekannt sind. Es ist dies der Typ des markanten, meist hochgebildeten Globetrotters, der sich ‚aus unsichtbaren Quellen speist, der es versteht, in die höchsten Gesellschaftskreise hineinzukommen, der überall gern gesehen und seiner geistreichen, welt- männischen Art wegen geschätzt wird, höflich und angenehm im Umgang, fast immer auch hilfsbereit. Männer dieser Art können alles sein: Forscher und Sammler, Kaufleute oder Vergnügungsreisende, Spieler und Hochstapler, Spitzel und Spione, Besessene oder harmlose Nichtstuer, Dichter, Lebenssüchtige oder verkrachte Existenzen.
Ihr privates Leben spielt sich in einer Sphäre ab, die einem andern nicht zugänglich ist. Selten kann man einen schnellen Blick in das Innere solcher Menschen tun, selten erschließen sie dem Mitmenschen für einen Augenblick einen Winkel ihrer Seele. Sie tauchen aus einer dunklen Vergangenheit auf, glänzen in der Gegenwart und verschwinden wieder in der Versenkung einer dunklen Zukunft. Ihre Persönlichkeit und ihr Auftreten ist stets von einem undurchdringlichen Schleier des Geheimnisvollen umgeben.
Im Verlauf meines Umganges mit Gober brachte ich nur soviel heraus, daß er damals 25 Jahre alt war und Staatswissenschaften studiert hatte. Er sprach fließend drei Sprachen, war bisweilen als Dolmetscher tätig und unterhielt aus- gedehnte Korrespondenzen. Zu Zeiten nahm er wohl auch eine Gelegenheits- arbeit an wie ich. So ließ er sich bald darauf als Hotelsekretär in Puerto Pollensa engagieren.
Ich blieb noch in Barcelona . Es gab immer was zu sehen und zu erleben in dieser von buntem Leben und Treiben erfüllten Stadt.
Eines Tages bemerkte ich auf der Rambla, der Hauptstraße Barcelonas , einen Herrn, der sich an seinem offensichtlich durch eine Panne außer Betrieb ge- setzten Kraftwagen zu schaffen machte. Es gelang ihm jedoch nicht, den Wagen wieder in Gang zu bringen. Er war ärgerlich und nervös. Bei flüchtigem Hin- sehen konnte ich feststellen, daß der Schaden nur geringfügig war. Das Kabel vom Akkumulator hing heraus. Ich faßte zu, hantierte emsig, machte ein wenig Hokuspokus und steckte das Kabel wieder hinein. Der Wagen lief an.
Hocherfreut drückte mir Herr Capeine, wie er sich mir vorstellte, zwei Duros in die Hand, eine unverhältnismäßig hohe Geldsumme, die mir meinen schmal gewordenen Beutel etwas auffüllte. Ich mußte aber doch trachten, eine Arbeit
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