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Weltreise nach Dachau : ein Tatsachenbericht nach den Erlebnissen des Weltreisenden und ehemaligen politischen Häftlings / Max Wittmann ; aufgezeichnet von Erich Kunter
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Wort und Geste sparsam, aber verbindlich und höflich. Knapp und treffsicher im Ausdruck, verhalten und doch bewegt von Gedanken und Energien. Man spürt gleich die überlegene Persönlichkeit, den geborenen Staats- und Weltmann.

Auf seine Frage gebe ich ihm kurz einige Daten aus meinem Leben, schildere ein paar wesentliche Ereignisse. Er hört ruhig und aufmerksam zu, ab und zu durch eine Frage unterbrechend.

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Ja, und was wollen Sie nun eigentlich?" fragt er unvermittelt.

Weiter!" sage ich und wundere mich gleich darauf, daß mir dies Wort so unbedacht herausgefahren ist. Ich habe ihn doch bitten wollen, mir vielleicht eine Anstellung in diesen heiligen Hallen zu verschaffen, oder mich vielleicht ins Ausland einem seiner Freunde zu empfehlen. Ich habe einige Pläne ent­wickelt, ich will doch so viel, so viel...

Und jetzt, ich könnte mich ärgern, fällt mir nichts ein, als auf eine ent­scheidende Frage fast tolpatschig ein einziges Wort zu äußern: ,, Weiter!"

Er sieht mich mit seinen hellen klugen Augen fest und ein wenig nachdenk­lich an. ,, Gut", sagt er nach einer Pause ,,, es ist immer gut, wenn ein Mensch weiter will im Leben". Er wendet sich ab, schreibt flüchtig ein paar Worte auf einen Zettel, drückt ihn mir in die Hand. ,, Sie haben mir von Spanien ge­sprochen, ein Land, dessen Landschaft und dessen Leute ich sehr liebe. Gehen Sie in meinem Auftrag dorthin und überbringen Sie Grüße."

Darauf verabschiedet er mich und übergibt mich zu treuen Händen einem Diener, der mich draußen an eine Kassenstelle führt. Diese händigt mir auf Grund des Zettels in meiner Hand einen größeren Geldbetrag aus.

Freiwillig wäre ich von meinen Gönnern, der Familie Donsel, wohl noch nicht so bald weggegangen. Jetzt aber fühle ich mich dazu verpflichtet, da ich ja gegen Entgelt für einen Auftraggeber" reisen muß.

In einer Fahrt, reich an, Eindrücken und Landschaftsbildern, reiste ich durch Südfrankreich und die Pyrenäen nach Barcelona . In dieser großen, betrieb­samen Hafenstadt ließ ich mich für einige Wochen nieder. Es gab dort viel zu sehen und zu hören, und ich hatte interessante Begegnungen. Besonders war es ein Österreicher namens Hermann Gober, der für meine weitere Laufbahn noch eine Rolle spielen sollte.

Gober gehörte zu jenen merkwürdigen Außenseitern der Gesellschaft, die einsam und eigenbrötlerisch ihre Wege gehen, in vielen Kreisen bekannt und

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