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Weltreise nach Dachau : ein Tatsachenbericht nach den Erlebnissen des Weltreisenden und ehemaligen politischen Häftlings / Max Wittmann ; aufgezeichnet von Erich Kunter
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übrigen blieb ich als Gast bei der Familie Donsel; es war eine schöne Zeit für mich, ich denke immer gern daran zurück.

Der junge Donsel, ein Freund Baumanns, wurde auch mein Freund. Oft fuhr ich mit ihm in seinem eleganten Kraftwagen in die herrliche Umgebung Genfs, an den Gestaden des Genfer Sees entlang. Bei schönem Sonnenwetter stiegen wir dann meist bei einem der vielen Strandbäder aus, um ein erfrischen- des Bad zu nehmen. Am Strand machte ich eines Tages die Bekanntschaft einer jungen Dame. Sie war Sekretärin des Unterstaatssekretärs beim Völkerbund, Mr. Dufour Ferance. Fräulein Dix hörte mir gern zu, wenn ich von dem, was hinter mir lag, erzählte, von meinen Reisen und meinen Plänen.

Sie sollten einmal mit meinem Chef sprechen, sagte sie.Er hat etwas übrig für solche ausgefallenen Existenzen wie Sie sind, für Leute, die aus eigener Kraft in der Welt herumkommen. Er kann sicher etwas für Sie tun.

Die Unruhe saß mir um diese Zeit bereits wieder im Blut; magnetisch zog mich von Zeit zu Zeit mein unbekanntes Reiseziel an.

Ich machte mich gleich am nächsten Tage auf, um Herrn Dufour Ferance in seinem Palast in der Rue de Masonier zu besuchen. Leider war er nicht zu Hause. Doch kam er in dem Augenblick herzu, als ich mich eben wieder zum Gehen wenden wollte. Er war in:großer Eile, stellte mir aber anheim, ihn in seinen Diensträumen in derSociete des nations aufzusuchen.

Völkerbundspalast. Großzügiger, repräsentabler Bau. Weite Hallen und Räume, breite Freitreppen. Wie in einem. Bienenschwarm wimmelts in den Gängen, Sälen und Büros. Doch herrscht eine feierliche Stille in dem großen Hause. Vertreter aller Nationen sind hier unter einem Dach versammelt, um für Weltfrieden und Völkerverständigung zu arbeiten. Es ist eine verant- wortungsvolle Aufgabe, zu der sich Männer und Frauen aus aller Herren Länder, aus allen Völkern und Rassen hier vereinigt haben. Vielleicht unbewußt teilt sich das ihrem ganzen Gebaren, dem Ernst ihrer Gesichter und ihrer gedämpften Sprechweise mit. Es geht hier ernst, fast feierlich zu, wie in einer großen Kirche.;

Durch ein kleines Heer von Türstehern, Aufsichtspersonen, Auskunft- erteilern und Sekretären arbeite ich mich hindurch, bis ich endlich in einem großen, saalartigen Zimmer dem Herrn Dufour Ferance gegenüberstehe. Eine große, imponierende Erscheinung, scharf profiliertes Gesicht, graumeliert, in

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