Anjuschas Mann nicht schaukeln zu sehen. ,, Meine Teuren, grämt euch nicht. Hört ihr? Andrej Afanassjewitsch hat die schwere Kinderzeit gesehen und das harte Mannesalter. Wir haben an das gute Väterchen Zar geglaubt; aber dann kam der schwarze Sonntag und Lenin . Wir haben Erde bekommen, ach Kinderchen, und dann kam der Bürgerkrieg. Wir haben hier im Dorf das erste und das zweite Kolchos gehabt. Meinen Grigorij haben die Denikinbanden gehängt. Die Denikinbanden wurden zerschmettert. Wir haben das Kulakengeschmeiß gehabt und das dritte Kolchos voll mit Verrätern. Wir haben die Kulaken und die Verräter zerschmettert."
,, Lauter", rief Steeger von seiner Anhöhe herüber. ,, Der alte Kerl soll lauter predigen."
,, Du sollst lauter predigen", rief der Dolmetsch hinauf.
,, Die Stimme ist schlecht", entschuldigte sich der Alte. Ein Blick aus seinen grellen Augen hatte die Anhöhe gestreift, wo die Offiziere saßen.
,, Die hier werden zerschmettert werden. Sie werden von der russischen Erde verschwinden, wie die weißen Banden verschwunden sind. Wie der Ofenrauch aus einem Holzfeuerchen. Ja, meine Teuren, so werden sie verschwinden."
Steeger winkte dem Dolmetsch. Er ließ sich übersetzen. ,, Ein munterer Todeskandidat. Der reinste Dichter. Weiter", rief er leutselig hinüber. ,, Der muntere Todeskandidat soll weiterreden."
,, Du darfst noch reden", rief der Dolmetsch hinauf.
Der Alte reckte den Kopf. ,, Was noch sagen?" Man sah, daß ihm das Stehen auf der schmalen Sprosse jeden Augenblick schwerer wurde. Augenscheinlich fürchtete er, gebunden, wie er war, hinunterzustürzen. Er schwankte. Der Soldat auf dem Gerüst nebenan packte ihn am Arm. Als der Bauer sein schönes Altvatergesicht wieder hob, sah man seinen großen Mund im Barte lächeln:
,, Der alte Moses hat sein gelobtes Land nur von weitem gesehen. Und er starb gern. Andrej Afanassjewitsch stirbt
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