schen Truppen in dem von seiner famosen Regierung verratenen Paris .
Sein Beruf machte Steeger jetzt endlich Freude. Er war ständig unterwegs. Er besuchte auf Inspektionsreisen alle im Westen eroberten Gebiete. Die Orden, die seine Brust schmückten, die Auszeichnung, mit der er seines hohen. Rangs halber überall empfangen werden mußte, bereitete ihm Genugtuung. Die erbarmungslosen, verschärfenden Maẞnahmen, die er anordnete, wohin er kam, fanden einen fliegenden, zuweilen angstvollen Gehorsam. Er empfand hemmungslosen Genuß, diesen Gehorsam auf die härtesten Proben zu stellen. Wenn er in seiner eleganten Uniform nachlässig auf einem bequemen Sessel hingestreckt, bestialische Quälereien und Miẞhandlungen befahl, so konnte er die hüpfende Freude in seinem Leibe niemals bis auf den letzten Rest verhehlen. Auf seinen unmerklich zuckenden, immer noch hellroten, vollen Lippen stand dann ein Lächeln, bei dem manchem seiner abgebrühten Adjutanten schlecht wurde. Ein feiner Beobachter hätte an einem plötzlichen Flackern von Steegers langbewimperten Augenlidern merken können, daß Steeger sich nicht nur für seine Opfer interessierte, sondern auch auf Ekel und Widerstand bei seinen Agenten lauerte. Zu dieser Sensation für seine abgelebten Nerven kam er. indessen selten. Seine Leute waren den Dienst gewohnt. Seit langem waren sie auf Roheit und Fühllosigkeit dressiert. ,, Tritt dem andern das Auge aus, sonst tut er's dir", so hieß die Losung.
Alle Henker werden mit der Zeit furchtsam. Die Furcht war es, die die Grausamkeit der kleinen Henker der Gestapo weiter und weiter stachelte. Die kleinen Henker der Gestapo hatten weniger Willen als irgendeines ihrer Opfer.
Die schwindelnden Erfolge des deutschen Faschismus in West- und Mitteleuropa hatten diesem scheußlichen Barbarentum der Neuzeit keine sichere Basis zu geben vermocht. Trotz, oder auch wegen der Ausbreitung dieser Erfolge Widerwille und Besorgnis gärten im eigenen Volk, Haß
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