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nete Steeger sich dermaßen aus, daß ihm der Rest seiner Strafe erlassen wurde. Bei der Frage, die im Verhör auf Tod und Leben gestanden hatte: Schlage ich oder werde ich geschlagen? hatte es für Edwin Steeger keine Wahl gegeben. Die Vorstellung, der Geschlagene zu sein, war völlig unausdenkbar. Es war ihm vom ersten Tag an gelungen, seinen völligen Gegensatz zu dem Verräter Warnke glaubhaft zu machen. Über dessen Verbleib wußte er übrigens nichts, wollte er auch nichts wissen. Ein Jahr später wurde Edwin Steeger in die SA aufgenommen. Es dauerte nicht sehr lange, und er wurde zur 44 abkommandiert. Dank seiner Forschheit, Gewandtheit und seines autoritativen Auftretens. machte er natürlich mit der notwendigen Nachhilfe hinter der Szene bald eine glänzende Karriere. Mit dreiundzwanzig Jahren, im Herbst 1936, wurde er, die Hoffnung der NSDAP , Stellvertreter des Lagerkommandanten in einem der größten deutschen Konzentrationslager.
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Trotz seiner Jugend war Steeger ein ungemein gefürchteter Vorgesetzter. Niemand sah ihn je lächeln. Nichts in seinem Benehmen ließ erkennen, daß er ein so überaus junger Mensch war. Bekannt war Steegers Tick, daß er auch außerdienstlich die leisesten Andeutungen von Gefühlsäußerungen
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abgesehen natürlich von nationaler Begeisterung nicht vertragen konnte. Ein Untergebener, den Steeger verdächtigte ,,, ein Gemütvoller" zu sein, hatte in seiner Nähe keine gute Minute. ,, Gemütvolle sind staatsgefährlich", war ein häufiges Wort von ihm. ,, Solche Leute kennen keinen zuverlässigen Gehorsam, wollen womöglich selber denken." Nie verfehlte Steeger, wenn so ein Unsicherer zur Tür hereinkam, ihn höhnisch zu begrüßen: ,, Aha", pflegte er zu sagen, ,, unser Schmachtengel!" Oder er brüllte ihn an: ,, Sie wollen ein Nationalsozialist sein? Sie haben wohl Schlagsahne in den Knochen?"
Er, Edwin Steeger, darüber war kein Zweifel, war ein echter Nationalsozialist.
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