gebunden.„Ja“, sagte er, und sein Mund zog sich wehmütig schief,„und wir— wir andern fahren nach New York — oder, wohin denkst da— wollen wir?“.
„Dazu sind keine Gesichter zu schneiden“, fuhr Mama empfindlich hoch.„Entsetzlich genug, daß Hunderttausende nicht fliehen können.‘ Damals konnte sie noch nicht ahnen, daß es sechs Millionen sein würden.„Ist das ein Grund für uns, sich freiwillig versklaven, sterilisieren, hinschlachten zu lassen?“
„Hitler ist ein Ungeheuer“, schrie Bubi Elger.„Das sage ich dir, Mama, der Faschismus bleibt nicht. Das ist eine Pest in Europa , eine stinkende Krankheit.“ Er hatte ein großes, silbernes Messer vom Tisch ergriffen und stach da- mit in die Luft. Mama schrie auf:„Was fällt dir ein? Bubi! Laß das.“
„Eine scheußliche Krankheit“, schrie er noch lauter.
„Schrei nicht so“, rief Mama.„Leg das Messer hin.“
„Sie geht vorüber wie jede Seuche; freilich nicht von selbst.“
Er warf das Messer lässig auf den Tisch.„Ich habe hier viel mit Arbeitern politisiert. In der Emigrantenküche.“ Er setzte sich und sprang sofort wieder auf, plötzlich heftig errötet.„Haß gibt es, Mama, Haß gegen die Nazis, wenn du
“ wüßtest. Was ich hier für Haßaugen gesehen habe. Wut- augen wie Teetassen, Mama. Blitzende, gekniffene, heraus- gequollene Augen. Mama, ganze Kaffeekannen, Suppen- schüsseln, ganze Waschbütten voll Haß, Kammern und Glas- kästen, Häuser und Straßen voller Haß— die Moldau, Mama, ach, die Moldau am Abend ist schön. Dunkelblau mit Glitzern wie böse Augen. Fluten voll Haß— ein Meer. Ach, daß die Nazis Deutsche sein müssen!“


