Ihr linkes Bein ist wieder' n bißchen dicker. Wird sie sich doch mal' nen Krankenschein holen müssen. Wann aber? Na also... endlich drin im Stiefel. Eigentlich is er gar nicht krank; bloß so alle ist er geworden. So nach und nach. Daß er nichts mehr essen kann, das ist es. Was die Lohmann bloẞ immer für Angst hat. Zu komisch is die Frau. So schnell geht es nu doch nicht, zum Glück. Soll sie doch ein bißchen heizen? Ist besser. Jetzt ist er noch da, soll er's warm haben...
Nach dem Heizen wäscht sie sich in der Küche. Hände und Gesicht. Mehr kann man nicht so früh morgens.
Damals, wie Lohmanns den Schinken aus Belgien bekommen haben von der Trautchen ihrer Herrschaft, da hat es mit ihm angefangen. Sie hätten doch' nen Hund, hatte die Herrschaft Trautchens gefragt. Na, die Hunde... das waren wir. So ausgehungert auf Fleisch war mir der Mann. Ich dachte auch:, Besser mal' n bißchen was nicht so Gutes, wie nie was.' Hatte es doch mächtig mit dem lila Zeugs gewaschen. Hat man das wissen können? Uns allen andern ist es doch großartig bekommen... bloß dem Mann nicht.
Heut werden ja die Hände überhaupt nicht trocken. Hat er gerufen? Sie läuft in die Stube. Der Schmied liegt auf der Seite und rührt sich nicht. Nun ist er gerade wegen dem Licht eingeschlafen, denkt Frau Rasenack glücklich.
Es ist noch immer zu früh zum Gehen. So lange auf der Straße stehn, ist zu kalt. Sie setzt sich auf den breiten, grünen Sammetstuhl am Fenster und schiebt die ausgespreizten Hände auf den Schenkeln hin und her. Müde, mit krummem Rücken sitzt sie und wartet, daß es später werde. Zu tun ist nichts in der Stube; die ist ordentlich. Der Doktor sagt, er zehrt von sich selbst, und das dauert lange. So' n großer schöner Mann, wie der Karl war... anderthalb Jahr dauert es schon. Nun wird bald Schluß sein. Glaub ich noch gar nicht. Vorm Krieg hat er noch wie' n Junger mit am Eisenhammer gearbeitet und war schon fast
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