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DER KAMERAD DES HELDENJUNGEN EINE BERLINER GESCHICHTE VOM OKTOBER 1918
„Alles, liebste Frau, was nur irgend Gutes da 1St.= DIE hohe und klingende Stimme des Hausherrn schallt in dem langen, weißgoldenen Korridor:„Hast du Schmalz oder Butter?“
„Zufällig sogar Kaffee.“
„Also mach es hübsch und nett. Das ist doch das wenigste, was wir dem Kameraden unseres Heldenjungen—“, seine Stimme kippt um, das tut sie offenbar leicht.
Die vorstehenden, rosageäderten Augäpfel des Sanitäts- rats rollen herrschsüchtig und erbittert.„Du hältst ihn fest. Ich verlasse mich auf dich. Jetzt fortgehen zu müssen! Ein Ekzem soll das Mädel haben? Blödsinn. Sicherlich wieder eine von diesen schamlosen- Überfütterungen.“
Mit einem wütenden. Ruck reißt er die Wohnungstür auf. Würdig bei aller Eile stampft der beleibte, alte Herr die Treppe hinunter.
Die kleine, magere Frau Sanitätsrat im ewigen, braun- seidenen Kleid schaut ihrem Mann mit ängstlichem Aus- druck nach. Die Tochter, groß und stattlich und auch ein wenig plump wie der Vater, kommt kindisch aufgeregt aus der Tür gelaufen:„Papa, du läßt uns allein mit dem fremden Mann? Papa—“
Das vollblütige, birnenförmige Gesicht des alten Arztes erscheint noch einmal über dem untern Treppengeländer: „Schrei nicht. Ihr haltet ihn fest. Unbedingt fest.“ Gleich darauf schlägt unten die Haustür.
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