ihm Bogı wieder das Wort ab. Sein Blick lag auf dem Zettel, den er in der Hand hielt.„Du siehst ja hier: um den Ernst ist es ihm zu tun. Dieser Knoppe war ein wertvoller Mensch, mehr wert als wir alle-hier zusammen.“
„Na, na“, machte der Lockige. Die dunklen Augen des jungen Juden brannten:„Ich sage dir etwas, aber nur dir. Wenn vielleicht wirklich etwas ganz Großes in mir steckt, dann werde ich Komiker werden und nichts anderes. Ich lege da meine ganze Seele in eine tragische— na, SO eine Anzengruberrolle zum Beispiel—, aber ein großer Komiker, siehst du, ganz andere Tiefen kann der aufreißen. Es ist ein verdammtes Fach, das weiß ich. Unser ganzes Leben ist ebenso lächerlich, wie es tragisch ist, Lockiger. Ein ernst- haftes Leben— was so ein Knoppe suchen geht—, das findet der nie. Deshalb wird er auch rettungslos kaputt gehen, meiner Meinung nach. Ein ernsthaftes Leben, das nicht tragikomisch ist, merke dir das, das kann es nur in der Freiheit geben— im alten Athen gab’s so was, soviel man weiß, nur—“
„Eben“, sagte Bogi und warf sich rücklings auf die Bett- stelle, daß sie krachte.„Bei uns sind wir Künstler selbst die Sklaven und haben Wohlmänner— nur kein Einwand—, die großen Direktoren sind nur gebildeter. Die Sorte ist höchstens noch schlimmer; bestimmt schlimmer, weil sie mehr Macht haben.“
„Wir wollen frei sein, wie die Väter waren—
Wir wollen trauen auf den höchsten Gott—
Und uns nicht fürchten vor der Macht der Menschen‘, deklamierte der Lockige.
„Ach, mein Junge“, sagte Bogi mitleidig,„die Freiheit, die mein Großvater hatte, war beim Pogrom aufs Dach zu fliehen und da zu verbrennen, und die Freiheit meines Vaters hieß: Tuberkulose. Schillers höchsten Gott schenk’ ich dir auch. Nein, Lockiger...-—€r lag immer noch auf dem
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