mir zu glauben und dieses so furchtbar heimgesuchte Volk von der Anklage der Kollektivschuld freizusprechen."
Zum letzten Male bekam jetzt der Vertreter der Anklage, Dr. Kreuschke, das Wort erteilt:
,, Meine Herren Richter, ich habe Gelegenheit gehabt, vieles zu erfahren, was sich bisher meiner Kenntnis entzog. Ich will zugeben, daß das Ansehen des Volkes der Deutschen in aller Welt als gut zu bezeichnen war; ferner weiß ich, daß die Pflege der deutschen Wissenschaft, Kunst, Technik und Musik usw. auf ausgezeichneter Höhe stand... Aber, man darf keinesfalls übersehen, daß das alles vor der Hitlerregierungszeit gewesen ist, die sich die Reichsbürger nicht nur herbeiwünschten, sondern selbst mit Freude und Genugtuung zurechtzimmerten. Wenn zum Beispiel ein Mensch, der sich sein ganzes Leben lang gut geführt hatte, eines Tages hingeht und einen Raubmord ausführt und so zum Räuber und Mörder wurde, sollte man ihn dann keiner gerechten Bestrafung zuführen, weil sein Anwalt darauf aufmerksam macht, daß der Raubmörder bis zur Begehung seines Verbrechens ein so braver Mann gewesen sei, der noch nicht einmal eine Fliege an der Wand hätte töten können?
Meine Herren Schiedsrichter, ebenso wenig, wie man einen derartigen Verbrecher unschuldig erklären wird, kann man die Deutschen freisprechen, weil sie gemeinsam die Verantwortung für alle Naziverbrechen zu tragen haben, solche wünschten, duldeten und ausführten. Daher bitte ich Sie noch einmal, gemäß meiner Anträge zu handeln und das Barbarenvolk zu verurteilen."
Damit war die Aufgabe des Anklagevertreters Dr. Kreuschke erledigt. Jetzt bekam die Verteidigung das Schlußwort:
,, Sehr geehrter Herr Präsident, meine Herren Richter!
So wie der wahrhaft Fromme den Teufel niemals fürchtet, hätte die politische Welt den Satan Adolf Hitler auch nicht fürchten sollen. Es lag nicht an den Religionen, daß dieser Unhold so glaubenswidrig hauste. Sie bildeten nur einen Vorwand. Das Mißtrauen aller gegen alle war der Keimträger der Naziseuche, die dem deutschen Volke als eine politische Epidemie aufgezwungen wurde. Die Verantwortlichen im politischen Weltgeschehen zeigten sich alle viel zu nachgiebig gegen das Ungetüm Adolf Hitler . Unter ihnen gab es auch solche Staatsgrößen, die von Hintergedanken gesättigt, den Verderber in der Hoffnung gewähren ließen, ihre eigenen Pläne durchführen zu können, die von schändlichem Egoismus geschwängert waren. Die Mehrzahl der Demokratien rasselte nur mit den Ketten, fangen wollten sie den bissigen Hund erst dann, wenn die 218
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