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Ein Jude spricht für Deutschland / Schelomo Bar Eljokum
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Die Menge im Zuhörerraum und in den Logen brach in wahre Bei­fallsstürme und Sympathiekundgebungen für den Verteidiger Isaak Jehuda Löwenstein aus.

Es dauerte eine Weile, bis die Begeisterung verebbte... Dann ergriff der Schiedsgerichtspräsident wieder das Wort:

,, Da es zu den Gepflogenheiten jedes Gerichts gehört, den Angeklagten das letzte Wort zu erteilen, so frage ich hiermit die vier symbolisch Angeklagten zum letzten Male: Bekennen Sie, daß das deutsche Volk an allen geschehenen Verbrechen, die mit Willen und Wissen der Hitler­regierung begangen wurden, kollektiv schuldig ist?"

Tiefbewegt sagte Dr. Rumpf:

,, Herr Präsident, ich kann die schon oft an mich gerichtete Frage nur mit einem klaren, Nein' beantworten; das deutsche Volk in seiner Mehr­zahl haẞte die Nazis."

Dr. Werle erwiderte:

,, Herr Schiedsgerichtspräsident, die Welt hat durch die Nazis unbe­schreibliches Elend erdulden müssen, aber das deutsche Volk nicht we­niger; daher kann von einer Kollektivschuld keine Rede sein."

Professor Urhan, Dekan der Universität Marburg , antwortete: ,, Meine Herren Schiedsrichter, seit mehr als dreißig Jahren diene ich der Wissenschaft, mit Politik hatte ich überhaupt nichts zu tun. Aber wer die Geschehnisse in Deutschland von 1933 bis zum Untergange der Naziherrschaft beobachtete, wie ich das tat, muß, wann er an der Aus­sage der Wahrheit nicht behindert wird, sagen, daß von einer Kollektiv­schuld des deutschen Volkes gar keine Rede sein kann. Dafür sind viel zu viele deutsche Bürger von den Nazis verfolgt und umgebracht worden. Deswegen haben viel zu viele Deutsche Tränen vergossen... Dazu sind viel zu viele Geistliche aller Religionen getötet worden... Dazu sind viel zu viele Deutsche freiwillig ins Exil gegangen, worunter sich die besten Wissenschaftler der Welt befanden. Wer meine Einwände bejaht, muß meine Ansicht teilen und die Frage der Kollektivschuld verneinen."

Professor Weber, der abermals die Kollektivschuld des deutschen Volkes bestritt, erklärte noch, daß alles, was der Verteidiger gesagt habe, nicht nur seine persönliche Meinung darstelle sondern auch die der Mehrzahl des deutschen Volkes.

,, Meine Herren Richter, die Majorität wollte ganz bestimmt nichts mit den Bestialitäten der Obernazis zu tun haben. Dafür ist es ein viel zu gläubiges Volk, das in Bezug auf Fleiß, Gastfreundschaft, Rechtschaffen­heit, Ehrbarkeit, Sauberkeit und Familier.sinn es mit allen anderen Völ­kern der Erde aufnehmen kann. Im Namen jener Deutschen bitte ich Sie,

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