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„Waren es nicht Deutsche , die fremde Regierungen zwangen, Men- schen als Sklavenarbeiter zu liefern?
Waren es nicht Deutsche , die viele der von ihnen Ermordeten— in Zinksärgen verlötet— den Angehörigen gegen Nachnahme von RM 30,— zusandten, mit dem Bemerken: Nicht zu öffnen... Warum nicht öffnen? Weil die Ermordeten so entsiellt waren, daß man das Gruseln lernen konnte...
Waren es nicht Deutsche , die manchen Flieger der Alliierten, wenn er mit dem Fallschirm abgesprungen war, bestialisch erschlugen, wie man nicht einmal einen tollwütigen Hund erschlägt?
Waren es nicht Deutsche , die ihren jüdischen Kriegsveteranen des ersten Weltkrieges gesetzliche Erleichterungen zusagten, später, unter dem zu den Deutschen gut passenden Motto: ‚Der Dank des Vaterlandes ist ungewiß‘, diese alten Soldaten erschlugen, vergasten, erschossen, hängten...
Waren es nicht Deutsche , die Mischehen unter Anwendung von Ge- walt zur Trennung zwangen? Die politische Welt ging zur Tagesord- nung über.
Da wagt man noch zu bestreiten, daß die Deutschen kollektiv schuldig sind? Ein Volk, das scIche Taten vollbrackte, egal, ob es die Ver- brechen durch eine Partei, Armee, Polizei, SS, SA, oder wer es auch scnst war, ausführen ließ, handelt in Gemeinschaft. So ein Volk ist kollektiv schuldig und strafbar.
Daher beantrage ich, den Beschluß zu fassen, das ganze Volk der Deutschen zur Rechenschaft zu ziehen, anzuerkennen, daß dieses Volk gemeinsam Schuld trägt an allen Naziverbrechen. Das Recht verlangt im Namen der Ermordeten und Mißhandelten, Beraubten und Ver- sklavten, daß endlich ein Urteil verkündet wird. Der Nachwelt zur Er- innerung, daß in diesen Zeiten auch Menschen lebten, die die Barbaren nicht nur besiegten, sondern sie auch vor aller Welt als Verbrecher brandmarkten.“
Damit schloß der Staatsanwalt seine Anklagerede; das Schlußwort hatte er jedoch noch nicht gesprochen.
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