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Ein Jude spricht für Deutschland / Schelomo Bar Eljokum
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Unterkommission jetzt fast halbamtlich, und zweitens war der Beweis erbracht, daß zwischen der Liga der Menschenrechte und allen vier Zonenmächten ein gutes Einvernehmen herrschte. Mit Ausnahme der noch nicht eingetroffenen französischen Antwort war somit alles wie am Schnürchen verlaufen.

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Kaum war der Marburger Rechtsgelehrte fortgegangen, setzte Pro­fessor Löwenstein sein Aufundabgehen in dem Hotelzimmer fort. Mal wandte er seine Arme rückwärts, mal kreuzte er sie über seiner Brust, mal legte er seine Hände ineinander, mal drehte er seine Daumen. Hie und da setzte er sich auf einen Stuhl, beide Ellenbogen auf den Knien, die Hände am Kinn, den Kopf stützend.

Sollte er die Verteidigung übernehmen oder nicht? Das war die Frage, die den Gelehrten nicht zur Ruhe kommen ließ. So ging das schon seit heute früh um sechs Uhr. Bei im Flüsterton gehaltenem Selbstgespräch führte er aus:

,, Mit allen meinen Betrachtungen will ich noch einmal von vorn be­ginnen... Seit dem Jahre 1445 ist meine Familie in Deutschland an­sässig. Die Urkunden, die ich habe, beweisen, daß der am vierten des Monats Tamus geborene Moses Levy als kaum sechzehnjähriger Jüng­ling, aus Spanien kommend, einwanderte. Von diesem Moses Levy stamme ich ab. Moses kam nach Worms , wo er seinen Wohnsitz nahm. Da aber bald darauf die Wormser Juden vertrieben und viele von ihnen auf Scheiterhaufen verbrannt wurden, flüchtete Moses Levy. Nach sehr beschwerlicher Wanderschaft, die zum großen Teil nur nachts aus­führbar war, weil er sich tagsüber im Walde verborgen halten mußte, kam er nach Köln am Rhein. Hier blieb er, wurde Gerber und ehelichte später Rifke, die Tochter des Salomon Herz. Aus dieser Ehe stammten vier Töchter und sieben Söhne, von denen der älteste den Namen Aron hatte. Zweiundachtzig Jahre alt, starb Moses Levy am neunzehnten Adar des Jahres 1511. Mit Genehmigung des Bischofs von Köln , über­nahm Aron Moses die väterliche Gerberei. Wegen Judenhetze konnte Aron nicht mehr lange in Köln bleiben. Mit seinem Weibe und zwei Kindern begab er sich auf die Flucht und kam nach schrecklichen Ver­folgungen, aller seiner Habe beraubt, nach Frankfurt am Main , wo seine Nachkommen bis um die Mitte des siebzehnten Jahrhunderts seẞhaft blieben.

Wieder mußten meine Vorfahren flüchten, denn jetzt war es zu ganz argen Ausschreitungen gegen die Frankfurter Juden gekommen. Dieses 152

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