und später—— warum auch nicht?—— in der Praxis zu lösen haben, die Ehe.“
Lautes Lachen.„Sie haben recht, lachen Sie nur. Allerdings mag es vielen unter Ihnen noch vergehen! Geben Sie bitte den Warner nicht preis. und verstehen Sie Spaß. Ja, die Ehe ist in gewissem Sinne eine Kollektivangelegenheit, und sofern es sich um eine glückliche handelt, wahrscheinlich das einzige wahre Kollektivunternehmen, das auf Gegen- seitigkeit aufgebaut ist, bei dem Hintergedanken am wenigsten Nähr- boden finden. Aber, gab es während der Tyrannengeltung 19331945 keine glücklichen Familien, die durch Verrat eines Kindes, wegen einer bedachten oder unbedachten Äußerung ins Unglück gestürzt wurden? Gab es nicht Ehen, in denen eine Hälfte die andere bei der Nazipartei anzeigte? Ihnen, meine Herren, ist das so gut bekannt wie mir. Sind deshalb die direkt oder indirekt Betroffenen, die nicht hingehen und solche Verräter anzeigen, Kollektivunterstützer der Naziidee? Ist es ihnen zu verargen, daß sie die Vorkommnisse, die ohnmächtige Duldung von einst, totschweigen wollen? Setzen sie heute durch Nichtanzeige dem Unrecht die Krone auf? Sollten die Verratenen letzten Endes, auch im Interesse von Sitte und Moral, die Verräter ohne Bedenken den jetzi- gen Behörden melden?... Nein, diese Leute können keinesfalls gegen ihre eigenen Familienangehörigen auftreten, auch dann nicht, wenn diese Verbrecher sind... Warum nicht? Das Interesse an der gesamten Familie in Bezug auf Schande und Scham verbot und verbietet jede Anzeige und zwingt sie, Gram, Leid und Herzweh auch weiter in sich zu tragen. Genau so ist es mit den großen und größten Teilen des deut- schen Volkes, welche unmöglich die Nazis aus der Bahn ihrer furcht- baren Verbrechen zu verdrängen vermochten, weil ihnen Courage sowie Waffen fehlten oder die Angst vor der Gestapo sie daran verhin- derte. Dabei will ich noch gelten lassen, daß einzelne Familien die Ver- räter aus ihrem Kreise hätten ausstoßen können. Das deutsche Volk aber war machtlos gegen Parteityrannei und Militärverantwortliche, die Hitler Gefolgschaft leisteten. Je mehr Dr. Goebbels sprach, desto weni- ger durfte das Volk den Mund auftun. Es mußte solange schweigen, bis die Nazipartei zerschmettert am Boden lag und die Armeen fremder Völker von allen Seiten in das so furchtbar verwundete Deutsche Reich einmarschierten, das wir nach wie vor unser liebes Vaterland nennen. Und da untersteht sich ein dem Richterstand angehörender Herr, wie Dr. Kreuschke, von der Kollektivschuld des gesamten deutschen Volkes zu sprechen?! Unhaltbar! Meine Herren Studenten, ich hatte einen Sohn, ein einziges Kind, das meiner Frau und mir so ans Herz gewach-
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