Druckschrift 
Ein Jude spricht für Deutschland / Schelomo Bar Eljokum
Seite
29
Einzelbild herunterladen

die Rätsel wollte sie abends lösen, wenn die Gäste wieder fort waren. Auf die Seite des Humors blickte sie flüchtig, auch das hatte Zeit bis zum Abend. Etwa fünfzehn Minuten mochte sie in der, Illustrierten' gelesen haben, als sie gähnte, müde wurde und einschlief. Sie erwachte gegen halb vier Uhr, sah nach ihrem Mann, der sich damit beschäftigte einen, dicken Ast durchzusägen'. ,, Nun ist es aber genug," dachte sie, ging ans Sofa und erlöste ihn von der weiteren, Sägearbeit', indem sie ihn wach machte.

"

, Warum hast Du mich denn nicht früher geweckt? Sind Paula und ihr Bruder in der Küche?"

,, Ach, sie sind noch gar nicht eingetroffen. Erklärung dafür, Karl..."

-

-

-

Ich habe keine

,, Vielleicht hattest Du in Deinem Brief eine andere Zeit angegeben?" ,, Nein, Mann. Ich teilte ihnen mit, daß sie um zwei Uhr bei uns sein möchten, wie Du es wünschtest. Außerdem kommt der Zug Sonntags, soviel ich weiß, um ein Uhr fünfzig an."

,, Na, rufen wir einmal bei der Bahn an, ob der Zug pünktlich einlief." Frau Weber erfuhr am Telefon, daß der Zug fahrplanmäßig angekom­men wäre. Der nächste käme erst um sechs Uhr zwölf.

--

-

Diese Nachrichten übermittelte sie ihrem Mann. ,, Sechs Uhr zwölf sechs Uhr zwölf- ich glaube kaum, daẞ sie so spät noch kommen werden. Warten wir also bis sechs Uhr zwölf. Wenn sie dann nicht ankommen, ist Dein Brief entweder verloren ge­gangen, oder es stimmt etwas nicht..."

..Was soll denn da nicht stimmen?" fragte Frau Weber ihren Mann. ,, Ja, wenn ich das wüßte, könnte ich es Dir ja sagen. Vielleicht ist ihr Kind krank, oder ihr Mann, oder sie selbst."

,, Karl, das glaube ich weniger. Paula hätte uns sicher verständigt." ,, Du hast recht... Geduld müssen wir aufbringen."

Die Zeit verging. Es war nach fünf Uhr....

,, Jetzt sollten sie bald eintreffen. Wir könnten sie vom Bahnhof ab­holen, dabei einen kleinen Spaziergang machen und brauchten nicht so ungeduldig zu Hause...."

,, Bist Du ungehalten über ihre Unpünktlichkeit?"

,, Frau, keineswegs. Wahrscheinlich ist ihnen im letzten Moment un­vorhergesehen etwas dazwischengekommen, so daß sie den Ein- Uhr­fünfzig- Zug unmöglich benutzen konnten."

,, Vielleicht hat sich Heinrich geweigert mitzukommen?"

,, Dann würde Paula doch telefoniert haben."

29