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Ein Jude spricht für Deutschland / Schelomo Bar Eljokum
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Restaurant bekamen sie sofort einen Tisch für zwei Personen, man bestellte und ließ es sich gut schmecken.

,, Das war wirklich eine der besten Ideen, die Du seit langem hattest. Eigentlich könnten wir das öfters machen."

,, Ach Karl, Du und oft auswärts essen! Du Hauslamm."

,, Nur keine Herausforderungen, Frau, sonst gehen wir morgen abend wieder hierher," gab er scherzhaft zur Antwort.

Er rief den Kellner, bezahlte, und dann machten sie sich beide auf den Weg zu ihren Freunden.

,, Ach, das ist aber nett, daß Sie uns heute abend besuchen," sagte Frau Eberlein.

Diese Worte klangen ganz ehrlich gemeint. Die Damen waren Jugend­freundinnen und standen auf dem Duzfuß... Erst verweilten die vier im Lesezimmer. Nach etwa einer Viertelstunde gingen die Frauen nach oben, wo Frau Eberlein ihre Sammlung Meißener Porzellane des acht­zehnten Jahrhunderts ihrer Freundin zeigte, für die aber Frau Weber anfänglich nichts übrig hatte. Als sie jedoch von Frau Eberlein über die Geschichte der Meißener Porzellane informiert wurde, besonders über den Modellmeister Kändler, den Porzellanmaler Hörold und den Beginn der Böttgerperiode, da änderte sie ihre Ansicht. Es war fast elf Uhr geworden, als die beiden Damen ins Lesezimmer zurückkamen. Die Herren hatten sich auch sehr angeregt unterhalten, so daß sie gar nicht bedachten, wie spät es geworden war. Man lachte und scherzte noch ein paar Minuten, dann verabschiedeten sich Webers. Unterwegs er­zählten sie einander, worüber sie sich unterhalten hatten, und so ver­kürzte sich ihnen der Heimweg.

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Der nächste Tag war ein Sonnabend; die Vorlesungen an der Univer­sität fielen aus, also hatte Professor Weber Zeit, sich einmal richtig aus­zuschlafen. Das tat er auch. Allerdings, es sei gebeichtet, bis ein Uhr in der Früh, verbrachte er eifrig mit Lesen. Was er las? Schmöker, ganz gewöhnliche, gruselige Räuber- und Detektivgeschichten, den Stoff, man weiß nicht wieso und warum, den viele Männer, die geistig angestrengt arbeiten, gerne lesen, sofern sie sich unbeobachtet fühlen.

Samstag zog sich der Rechtsgelehrte ins Herrenzimmer zurück, um hier in aller Ruhe seine Zeitungen zu lesen. Die Zeit verging wie im Fluge, die alte Wanduhr schlug gerade elf ein halb Uhr.

,, Höre bitte," sagte er zu seiner Frau, die eben ins Zimmer trat ,,, was hältst Du davon wenn, wir morgen einen Ausflug nach Bad Nauheim machen würden? Es ist weder sehr weit noch teuer...."

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