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Ein Jude spricht für Deutschland / Schelomo Bar Eljokum
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des Weltbürgertums aufgeben. Dieser Karl Weber nennt sich Welt­bürger. Pfui Teufel, daß es noch Deutsche gibt wie Sie, die solche Vater­landsverräter sehen wollen, beweist, daß Parteigenosse Dr. Joseph Goebbels doch wohl recht hatte, als er neulich sagte:. Das sind Deutsche nur dem Passe nach, diese sogenannten Weltbürger, diese Internationalen...

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So, Frau Weber, nun werden Sie endlich einsehen, daß Sie keine Er­laubnis zum Besuche Ihres Mannes bekommen können, wenigstens nicht, solange ich hier im Namen des Führers auf dem Posten bin. Es ist somit ganz zwecklcs, daß Sie sich jemals wieder hier sehen lassen."

Zermalmt an Leib und Seele ging ich nach Hause. Ich weinte und lachte abwechselnd und war dem Wahnsinn nahe. Ich weiß besser als jeder Arzt uns sagen kann, wodurch ich meine Herzbeschwerden bekommen habe. Glaub' mir, lieber Mann, mehr als einmal habe ich den Tod herbei­gewünscht. Nur meine große Liebe zu Dir und unserem Sohne sowie der Respekt vor mir selbst, hielten mich davon ab, Hand an mich zu legen, so verzweifelt war ich oft. Du weißt, daß ich niemals Menschen verdammte, aber die Nazis haßte ich mit meiner ganzen Seele. Ich wollte das ewig für mich behalten, nur ein einziges Mal kam ich in Ver­suchung, alles unserem gefallenen Sohn zu erzählen. Aber auch das konnte ich nicht. Ich konnte es einfach nicht übers Herz bringen; ich ließ ihn in seiner Ruhe. So merkwürdig es sich anhört, es ereignete sich am selben Tag, an dem Du aus dem Konzentrationslager kamst und so plötzlich vor mir standest. Da war unser zweiter Hochzeitstag Gott hielt die Trauung--Heinz Joachim war der Trauzeuge so kam mir das alles vor. Nachdem ich Dir manches erzählt habe, wirst Du, mein lieber Karl, einsehen, daß es Dinge gibt, die dem polnischen Staatsanwalt Dr. Kreuschke als Information fehlen. Was hat der für eine Ahnung von dem Herzweh so vieler, vieler deutscher Frauen und Mütter?! Er kennt das deutsche Volk ebenso wenig, wie ich das pol­nische kenne."

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Professor Weber war ob all dieser gehörten Begebenheiten wie ver­steinert. Er blieb für die nächste Minute außerstande, auch nur ein ein­ziges Wort zu sagen.

,, Was ist Dir?" fragte seine Frau ihn verängstigt. ,, Gelt, ich hätte es Dir doch nicht sagen sollen?"

,, Im Gegenteil liebe Frau, es ist gut, daß ich nun weiß, was ich manch­mal ahnte. Aber bringt uns das alles auch nur einen Schatten der Kern­fragelösung näher...?"

,, Welcher, Mann?"

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