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Ein Jude spricht für Deutschland / Schelomo Bar Eljokum
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,, Bitte."

,,... so bin ich der Ansicht, daß es schon genügte, Mitglied des deut­ schen Volkes zu sein, einer Gemeinschaft, die kollektiv an allen Vor­kommnissen der Hitlerbarbarei mitverantwortlich und demnach mit­schuldig ist. Was sagst Du nun dazu, liebe Frau?"

,, Was ich sage? Dieser polnische Staatsanwalt scheint ein ver­bitterter Deutschenhasser zu sein. Mich trifft das nicht. Ich habe nie dem Hitlersystem gedient. Unser einziges Kind, unser Sohn, ist gefallen. Wofür? Für wen? Und jetzt kommst Du und regst Dich auf.. Hast Du vergessen, daß Du schon am zweiten Tage nach der Machtergreifung durch Hitler aus Deinem Amte entlassen wurdest, dann im Jahre 1939 in ein Konzentrationslager kamst, wo sie Dich mehr als drei Jahre ge­fangen hielten, quälten und mißhandelten. Du weißt besser als ich, was Du gelitten hast, und ich weiß, was ich ausgestanden habe. Glaubst Du, lieber Karl, man könnte das je vergessen? So etwas setzt sich nicht in die Kleider. Ach, wie oft war ich bei der Gestapo , bat um Deine Freilas­sung oder um Besuchserlaubnis. Immer wurden meine Bitten abgelehnt. Einmal war ich so verzweifelt, daß ich mich auf die Knie warf, nicht vor Gott , das tat ich nur, wenn ich allein war- vor dem Ge­ stapo - Oberst Strichling warf ich mich nieder... Laut schrie ich:, Gnade, Gnade, Herr Oberst, lassen Sie mich nur ein einziges Mal zu meinem Mann! Bedenken Sie doch, Herr Oberst, wenn Ihre Frau an meiner Stelle wäre.. Außerdem, tun Sie es bitte meines Sohnes wegen, des Fliegeroberleutnants Heinz Joachim Weber, den alle Zeitungen wegen seiner Tapferkeit vor dem Feinde loben. Bitte haben Sie doch Mitleid mit einer verzweifelten Gattin und Mutter!' Was tat dieser Teufel in Menschengestalt?! Er stand auf, half mir auf die Füße und sagte:, Frau Professor, daß Sie kommen und Ihren Mann zu sehen wünschen, lasse ich noch gelten; es mag menschlicher Schwäche entspringen. Meine Frau würde nicht so vorgehen, dessen bin ich sicher. Die hätte sich von mir scheiden lassen und somit wie eine echte deutsche Frau gehandelt. Daß Sie aber hier das Heldentum Ihres Sohnes ausbeuten wollen, ist einer deutschen Mutter unwürdig. Ich sehe also, daß auch Sie für unseren großen Führer nichts übrig haben, für den Ihr Sohn weiter nichts als seine Pflicht tut, weiter nichts, merken Sie sich das! Es sollte mich nicht wundern, wenn der Herr Oberleutnant Heinz Joachim Weber sich inner­lich schon längst von seinen Eltern, bestimmt aber von seinem Vater, losgesagt hätte. Offiziere der sieggewohnten Armeen Adolf Hitlers kön­nen für Männer, selbst wenn diese ihre Väter sind, nichts übrig haben, die bedenkenlos das Bürgerrecht des Reiches Adolf Hitlers für die Idee

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