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Gestapo-Häftling 52478 aus dem KZ Oranienburg-Sachsenhausen / Bert Utsch ; Vorwort von Bert Irving ; Zeichnung des Buchtitels und der Bildeinlage von Max Pöppel
Entstehung
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Anhaltspunkt für ein ordentliches Gericht gegeben, so hätte man Dich erst mal diesem zur Verfügung gestellt, Dich Deine Strafe abbrummen lassen und dann hätte Dich die Gestapo mit desto offeneren Armen in Empfang genommen!

In meinen vielen Gesprächen, die ich zwangsläufig über dieses Thema in all der Zeit führte, habe ich soviel Einblick gewinnen können, um wenigstens das genau zu wissen. Was aber die Leute in Lemberg über Dich gesagt haben, müßtest Du eigentlich aus meinen ungeschminkten Briefen wissen. Zweitens glaube ich, daß Du aus rein politischen Gründen festgehalten wurdest. Wenn ihnen Dein Betrieb nicht paßte, so war ihnen auch Deine und meine Person noch mehr ein Dorn im Auge. Wir haben nun einmal kein Blatt vor den Mund genommen gegenüber den SS -Methoden. Wir hielten es mit bedrängten Polen und verfolgten Juden und blieben der Kirche treu. Wenn sie es uns auch nicht direkt nachweisen konnten und die Denunzianten schlechte Arbeit leisteten, so hat man uns doch entsprechend gestraft: Dein KZ-Aufenthalt und das Häuflein Elend, das ich heute noch bin, lieber Bert, sind die Folgen unseres Einsages für Wahrheit und Mensch- lichkeit. Das hast Du ja selbst aus den Verhören über Deine Person entnommen und mir immer wieder als den Kern- punkt ihrer Verdächtigungen geschildert.

Wie oft, Elisabeth, warst Du nun bei der Gestapo und welche Beobachtungen hast Du dort machen können?

Als Du damals verhaftet wurdest, fand bei uns eine Haus- suchung statt. Die gab mir klaren Aufschluß darüber, daß sie selber nicht wußten, was sie eigentlich wollten, sondern das erst suchen mußten aber nicht fanden! Du kennst ja Deine Frau. Ja und was nahmen sie da mit? Briefe, Bilder, Fotos, mit denen man wirklich nicht viel anfangen konnte.

Ja, das ist mir klar, weil sie aus meiner Post die politi- sche Unzuverlässigkeit konstruierten.

Da schrieb mir meine Tante, Else Gaßner, in einem Brief über Erbschaftsangelegenheiten auch auf ihre Pension ein- gehend: ‚So geht es uns in dem heutigen Staat. Das war. rot

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