daß sie erblinden. In anderen Zellen müssen die Häftlinge Tag und Nacht in Hockstellung und gebückter Haltung auf ihren Pritschen sitzen. Sie werden dann auf ein Kommando zum Verrichten ihrer Notdurft hinausgepeitscht und das geht so schnell und mit Hieben, daß die erstarrten und gekrümmten Körper zusammenbrechen. Dann werden sie mit Stockschlägen traktiert und versäumen die Zeit, ihre Notdurft zu verrichten. Diese verbleibt dann in den Kleidern, die sie Wochen und Monate nicht wechseln. Bestialischer, pestartiger Gestank in den Zellen! Fast ausnahmslos politische Häftlinge sind in diesem Lager."
Sie erzählt und erzählt und ihre Berichte stimmen genau mit dem überein, was ich schon in Krakau im Monte Lupich von einem hörte, der selbst dort war. Später kam er dann über Auschwitz nach Sachsenhausen. Dort sah ich ihn oft wieder. Das Stärkste aber, was die Frau sagte, war: Sie nehme es auf sich, trotzdem ihr dadurch alle Konsequenzen der heutigen Regierung beschieden seien vom Hause ihrer Eltern aus die Scheidung zu betreiben, selbst beim Verlust ihrer beiden Söhne. ,, Es kommt ja doch mal wieder anders und dann werde ich meine Buben wiederhaben!"
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Es war ein Einvernehmen im ganzen Abteil. Der Landser, ich, zwei Geschäftsreisende gaben der Frau recht. Sie stieg dann irgendwo bei Gleiwitz aus. Aber es kam kein Gespräch mehr auf. Jeder war von der Tragik des Gehörten erfüllt und benommen und jeder fühlte die Schwere und das Unausweichbare der Tyrannei, in der man steckte.
Ich bekam Hunger und erinnerte mich an meine Kuhle Brot aus dem KZ- Lager. Ich verzehrte es, denn ich hatte nichts anderes. Die Grenzstation war da. Alles verlief ohne Schwierigkeiten.
Wir näherten uns Krakau . Die üblichen Verspätungen hatten wieder einmal eine Rekordlänge erreicht. Acht Stunden später als fahrplanmäßig rollte der Zug in den Krakauer Bahnhof. Polen mit großen Tragekörben, wie Lasttiere beladen mit Säcken und großen Korbflaschen, mit Ranzen und
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