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Gestapo-Häftling 52478 aus dem KZ Oranienburg-Sachsenhausen / Bert Utsch ; Vorwort von Bert Irving ; Zeichnung des Buchtitels und der Bildeinlage von Max Pöppel
Entstehung
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wägungen dienen konnte. Ich telegrafierte nach Lemberg an meine Frau: ,, Auf dem Wege zu Dir, Treffpunkt in Krakau , Grand Hotel."

Die Lösung befriedigte mich auch, als ich nach Stunden überlegte, ob ich es hätte besser und geschickter machen kön­nen, um meine Frau zu sehen, bevor ich den Gestapoteufeln wieder zu Gesicht käme.

In Berlin überall Verdunkelung! Die Häuser um den Schle­ sischen Bahnhof zerstört! Da ließ ich den Versuch sein, mich in einem Hotel auszuschlafen. Es drängte mich weiter, weiter! Dem Reisegefährten gab ich noch von meinen Rauchwaren und Lebensmitteln ab. Er wollte möglichst langsam zu seinem Ziele kommen, zum Gestellungsort der Wehrmacht . Er wollte noch in Berlin bleiben. So wünschte ich ihm Soldatenglück und er mir ferneres Wohlergehen und meine Augen trennten sich von dem Letzten aus der KZ- Sphäre, die wir nun hinter uns gelassen hatten.

Ich löste am Fahrkartenschalter mein Billett nach Krakau . Es war so verdunkelt, daß nur noch die kleine Öffnung für das Herausgeben von Geld und Fahrkarte beleuchtet war. ,, Legitimation für Krakau !", hörte ich hinter dem Schalter. Ich mußte meinen KZ- Entlassungsschein mit dem Fahrbefehl nach Krakau durch den Schalter geben. Bevor ich meine Fahr­karte ausgehändigt erhielt, öffnete sich das ganze Fenster, ohne Rücksicht auf die Verdunkelung. Ich stand einer Reichs­bahnbeamtin gegenüber. Nur Sekunden, ganz kurz, aber das genügte! Dieser Blick der Verachtung, des Hasses, dazu noch von einem Weib, war wie der Blick der SS im KZ! Habe ich das KZ also schon hinter mir? Wird mir dies nicht überall begegnen??

Dann rollte ich im D- Zug Richtung Breslau . Dort muẞte ich umsteigen. Ich konnte nicht anders, zumal ich einige Stun­den Aufenthalt hatte, als mir nochmals die Stätte meiner ersten deutschen Polizeihaft mit ihren schaurigen Erinnerun­gen zu besichtigen. Dieses Mal von außen. Das große Back­steingebäude fiel mir sofort wieder auf. Ich suchte die Keller­

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