danten nicht verheimlichte, machte er mir Vorwürfe, daß ich es war, der diese Änderung hervorrief. Bei der endgültigen Zusammenstellung aber fügte es sich so, daß der Bekannte in das Auswahlkommando der Häftlings- Selbstverwaltung kam. Zu meinem großen Erstaunen war er beglückt darüber. Ich bekam Anweisung, ihn in die Häftlings- Kassenangelegenheiten einzuweihen, ihm Unterlagen für eine solche Kasse für ein neu zu errichtendes Lager mitzugeben, und so lösten sich diese innerlichen Konflikte.
Der Transport der Tausende von Häftlingen vollzog sich. schleppend. Immer wieder mußten einige abgeschrieben werden, die noch im Lager verstarben. Und die Reise in ein Jammertal von Kreuz und Elend, ins Ungewisse, in den Tod be
gann.
Abgeschossene Feindflieger im KZ.
Zur gleichen Zeit kamen in unser Lager große Transporte aus Buchenwald , aus Neuengamme , aus Dachau . Ein ständiges Umgruppieren und Sortieren der Menschenmassen!
In Deutschland wurde die Parole ,, Räder rollen für den Sieg" propagiert und hier rollten die Räder für die schmachvollste Unterdrückung, die sich in einem großen Volke jemals vollzog. Mit jedem Transport kamen gleichzeitig viele Tote, die dann ins Krematorium geschafft wurden. Viele wurden in die Sterbebaracken gebracht, da man ihres baldigen Dahinscheidens gewiß war. Nun vollzog sich der Massentod in ganz großen Maßstäben. Die Ziffer der täglichen Toten schwoll ins Unermeßliche.
Aber auch an anderen Zugängen fehlte es nicht. Es kam in dieser Zeit zu den ersten großen Fliegerangriffen auf GroßBerlin. Es wurde befohlen: Sämtliche Häftlinge haben auf ihren Blocks zu verbleiben, es kann passieren, was da wolle! Keinerlei Anlagen, keinerlei Lauf- oder Schutzgräben wurden gebaut, nur für den Lagerkommandanten und für das SS - Personal wurden alle möglichen Schutz einrichtungen getroffen, die selbstverständlich die Häftlinge zu bauen hatten.
84


