Bekanntschaften auf, die wir gemeinsam hatten. Dies gab ein Gefühl, als lebten diese Menschen plötzlich mit uns.
Wir begegneten uns in Gesprächen in Münchner Lokalen, die von Künstlern und Literaten bevorzugt wurden. Wir trafen uns im Simplizissimus, im Steinicke, beim Papa der Literaten und Künstler des alten Schwabing . Wir stellten auf einmal fest, daß meine Schwester seine Bekannte war, wuẞten mit einem Mal, daß wir einander von München her kannten. Wir vergaßen, daß wir im KZ- Lager waren, und als wir auf der langen Lagerstraße auf und ab pendelten, gingen wir spazieren, als zögen wir durch die breite, schöne Ludwigsstraße mit der Staatsbibliothek und Universität.
Wir waren erfüllt von einem unermeßlichen Reichtum beiderseitiger Erlebnisse, Wanderungen in Deutschlands und Ita liens Gauen, in Österreich und in der Schweiz . Wir waren auf Wanderungen in den Epochen der Literatur und Geisteswissenschaften aller Zeiten und Strömungen. Dann wieder waren es Bedenken über die furchtbare Massenscheinkultur der barbarisierten Welt Deutschlands , die durch Fanatismus und Tyrannei eines Mannes die deutsche Bevölkerung in eine Flut gewaltiger, epochemachender Umwälzungen und Katastrophen gestellt hat, wie sie in gleich vielseitiger und welterschütternder Zerrüttung überlieferter staatlicher Ordnung und internationalen Gleichgewichts in einem demokratischen Staatswesen niemals von einem Manne heraufbeschworen werden konnte.
Eine Zerstörung, die er heraufbeschworen hatte, deren furchtbares Finale hier im KZ schon seine Vorzeichen zeigte! Ein furchtbarer Ausgang für Deutschland war aus den Gesichtern aller Häftlinge schon zu lesen.
Wir waren uns klar in unseren langen Gesprächen, daß gerade die Einrichtung des KZ wohl den ersten Rang unter den Schuld- und Sühne- Problemen der Zukunft einnehmen wird.
Ist es ein Gesetz der Logik, daß Umfang und Kraft eines Beweises dem Gewicht der Beweisgegenstände entsprechen
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