vier mußte, um in diesen Elendsbaracken zu verrecken, vor allem war es die geistige Begegnung, die den Ausschlag gab und mir dann rasch zur Besserung verhalf.
Die Schlingen der äußeren Lage im KZ sind nach längerem Aufenthalt nicht so gefahrdrohend, wie die nach innen gekehrten Qualen und Entbehrungen, wie der Komplex geistiger Nöte und Reflexe und psychologischer Erscheinungen, die den Menschen belasten und töten wollen, die ihn in der Einsamkeit und Furcht zu selbstquälerischen, zermürbenden Gedanken treiben; die Hoffnungslosigkeit steigert dieses Nachdenken ins Unerträgliche. So kam mir Alfred gerade zur rechten Zeit.
Eine Vision.
Die erste lange Unterhaltung zeigte mir das unermeßliche Glück, daß ich einen Menschen und nicht nur einen Menschen, sondern auch einen Dichter kennen lernte. Unser Gespräch ging über den Nationalsozialismus in einer dichterischen Anklage gegen eine Welt, in der die Guten gezwungen sind, Frevler zu werden, weil sich die Bösewichter auf allen Stühlen und Thronen Deutschlands breitgemacht hatten. Er verstand es, die ganze Schmach und das ganze Elend, das Deutschland betroffen hat, und die erschreckende Zukunft, die ihm danach noch bevorstände, in visionärer Darstellung zu schildern.
Während sich seine Anschauung über den Nationalsozialismus, der es verstand, wie der Wolf im Schafspelz die deutschen Gemüter zu verführen, mit meiner Auffassung deckte, war ich erstaunt über die Klarheit, mit der er auch die Zukunft sah.
Alfred und ich sahen uns von nun ab fast jeden Tag. Es war viel, was wir Gemeinsames hatten und was uns auch über unser Schicksal, zeitweise wenigstens, erhob. Jeder wurde wach und lebendig. Wir waren beide aus München , so lebte die Stadt vor uns auf. Wir waren beide literarisch stark interessiert, und so lebten Idealgestalten und tauchten da und dort
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