nügt doch nicht, um mich mein Leben lang festzuhalten und mich dort zugrunde gehen zu lassen?"
Der Beamte versuchte gar nicht, mir eine Begründung zu geben. Ich mußte mich mit dem Gesagten abfinden und mich wieder in das Labyrinth der Fragen und Zweifel, auftauchender Minderwertigkeitskomplexe und innerer Spaltung zurückziehen.
Es blieb auch eine gräßliche Ungewißheit zurück, denn zum Teil waren die Andeutungen so, daß ich vermuten konnte, vielleicht bald, vielleicht in Tagen schon, aus dem Lager herauszukommen. Alles war wie das Walten geheimnisvoller Kräfte, aber diesmal der bösen, des Satanischen .
Nochmals versuchte ich, unter Preisgabe meiner letzten vermeintlichen Chance und verbunden mit der Gefahr, dadurch meine Lage zu verschlechtern, auf den Mann einzuwirken.
Ich sagte, bei den Verhören über meine Person in Krakau habe man Gewalt angewendet, man habe mich mit Fäusten und Fußspitzen bearbeitet und mir Vorwürfe gemacht. ,, Ist das nicht schon genug und ist der Aufenthalt im Lager nicht ein Unrecht, zumal kein Urteilsspruch besteht? Kann ich nicht hier im Reichssicherheitshauptamt bleiben, wie mir das zugesagt wurde? Die Verhandlung muß doch schließlich mal stattfinden, und warum soll ich bis dahin in einem KZ- Lager sein müssen?"
Der Beamte tat, als ginge er auf diese Frage ein. ,, Bei welchem Kommando sind Sie denn im Lager?"
Ich antwortete: ,, Ich war bisher bei Klinker und bin jetzt in der Effektenkammer."
,, Dann haben Sie es doch jetzt so gut wie in einem Sanatorium und brauchen sich doch um nichts zu kümmern!""
Dies sagte er mit der Miene eines Biedermannes und mit einem Hundeblick, als meinte er es wirklich in diesem Moment gut mit mir. Ich kam mir vor wie beim Irrenarzt, der seinen Patienten im Sanatorium beschwichtigt, wenn er ihn in wachen Momenten antrifft. Dahinter aber sah ich das Lauernde, das Ungeduldige und Verdächtige, und ich hatte das Gefühl: jedes Wort vergebens!
Er brach das Gespräch ab, ging ans Telefon, hob den Hörer ab, wählte und sagte dann laut: ,, Der Utsch aus Sachsenhau
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