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Gestapo-Häftling 52478 aus dem KZ Oranienburg-Sachsenhausen / Bert Utsch ; Vorwort von Bert Irving ; Zeichnung des Buchtitels und der Bildeinlage von Max Pöppel
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ist ja nicht anders möglich. Ich brauche dringend die Bank­vollmacht von der Bayerischen Beamten- Bank in München . Formular liegt bei. Ich kann nicht einmal einen Kontoaus­zug erhalten, ohne den habe ich ja keinen Überblick über das Geld. Ich habe ständig Überweisungen gemacht, um alles. begleichen zu können. Du weißt ja: Formulare, Formulare von der Wiege bis zur Bahre.

Außerdem brauche ich eine Vollmachtserklärung für die Emissionsbank in Radom. Dort sind Gelder eingelaufen, die ich nur auslösen kann, wenn ich Deine Vollmacht habe. Aber ich schaff es schon mit meinem eisernen Willen. Für den Distrikt habe ich wichtige Eilaufträge. Sie fühlten sich schon von mir gejagt, ich muß jeden Tag einige Male ins Distriktsgebäude. Auch auf allen anderen Dienststellen bin ich oft persönlich. Ich kann Dir nur immer wieder sagen, man begegnet mir mit Hochachtung und alle sprechen nur das Beste von Dir. Ich kann hinhören, wo ich will, Dich achten sie alle, bis an die höchsten Stellen. Es ist dies wohl ein schönes Gefühl und ich bin von Herzen dankbar dafür, aber Dich muß ich entbehren, das ist unendlich bitter. Meine Liebe zu Dir, Geliebter, ist unverbrüchlich stark. Du bist der Inbegriff meines Lebens und wirst es stets bleiben. Mögen andere darüber denken wie sie wollen, ich stehe über ihnen und werde auch den Beweis dafür erbringen. Ich bin heute eine Utsch und werde Deinen Ahnen keine Schande bereiten. Treu und fest im Glauben stehe ich zu Dir, und Du, Geliebtes, denke stets daran.

In den Betrieben gab es mancherlei Aufregungen, aber ich bin keine Frau, die man gerade als sanft bezeichnen kann, das war einmal. Hier wissen sie alle, daß ich mich durchsetze.

Ein entzückendes Ding habe ich mir geleistet. Als Du zwei oder drei Tage weg warst, brauchte ich Papier für einen dringenden Auftrag. Abt. Wirtschaft hatte nichts, gab mir einen Tip. Ich rief dort an, nannte meinen Namen und bat um das Papier, was ich auch prompt erhielt. Gestern rief die Gestapo an und sagte: Frau Utsch, wir haben Ihnen doch Papier geliehen? Ich traute meinen Ohren nicht und bat den Herrn, er möchte das nochmals sagen. Er meinte: ,, Es ist schon so, Frau Utsch." Na, wir