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Gestapo-Häftling 52478 aus dem KZ Oranienburg-Sachsenhausen / Bert Utsch ; Vorwort von Bert Irving ; Zeichnung des Buchtitels und der Bildeinlage von Max Pöppel
Entstehung
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konnte. Ich habe das Gefühl, Du bist zur Zeit nicht in Lemberg , und sende Dir daher dies erste Lebenszeichen an Tante, die es schnell weiterleiten, beziehungsweise telefo­nisch durchsagen wird. Halte Dir einen Platz im Herzen für die Kinder und für mich und laß mich das wissen, dann bin ich schon froh. Die Lagerordnung, wie oben, bitte beach­ten; nach deren neuester Bestimmung sind Lebensmittel­pakete erlaubt. Der Koffer hatte zur Reise beste Dienste geleistet. Dank dafür und vor allem für die Liebe, die dar­aus sprach. Sei so gut und sende von meinen Sachen Hem­den, Unterhosen, Strümpfe und bitte einen Schal und Handschuhe. Ich wünsche Dir Gesundheit und Kraft! Grüße für Vater, Martha und alle. Dich küẞt innigst Dein Bert."

Jetzt arbeitete ich wochenlang schon in dem Häuflein, das die Backsteine stapelte, die Loren heranfuhr, die Steine sor­tierte in ganze, halbe und Bruch in die Kähne am Kai des Kanals verlud. Längst hatte ich es heraus, wie andere zehn und zwölf Steine auf den Arm zu laden und im behenden Schwung von einer Stelle zur andern zu tragen, die Schichten nach allen Regeln der Kunst aufzubauen oder abzuheben. Ich verstand es, manche halbe Stunde in der großen Halle zwi­schen den großen Feuerungsanlagen und Öfen zu verbringen und dort eine erhandelte gelbe Rübe mit einem Polen zu tei­len, der mir diese kleinen Schliche zeigte. Ich stellte fest, daß ich einer von den Wenigen war, die sich gehalten hatten und nicht eingegangen war, wie es mir so manche prophezeiten und wie ich es manchmal beinahe selbst befürchtete.

Aber immer wieder gab es Rückschläge, besonders durch die furchtbare Kälte des Winters und die erbärmliche Er­nährung.

Da wurde ich eines Tages in das SS - Büro der Klinkerwerke bestellt und keuchend erreichte ich es. Dort übergab man mir ein kleines Päckchen Briefe meiner Frau, die diese in fürsor­gender Liebe und in Unkenntnis meines Aufenthaltsortes, im Glauben, ich sei im Reichssicherheitshauptamt, an mich ge­richtet hatte.

Die beiden Beamten in Zivil, die ganz offensichtlich nur zu diesem Zweck die Autoreise in einer luxuriösen großen Mercedesmaschine neuesten Typs gemacht hatten, taten an­

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