müsse mich an den Bischof von Sandomierzs wenden. Ich hatte mich nun, da meine erste Frau noch lebte, aber geisteskrank war, um die Lizenz zur Wiederverheiratung an diesen Bischof gewandt und erhielt die kirchliche Erlaubnis zur Wiederverheiratung.
Daraus machte man bei dem Verhör in Krakau eine ,, Konspiration mit polnischen Bischöfen"! Man stieß mich mit Füßen, schlug die Mappen und Schreibtischutensilien im Gestapogebäude in Krakau um mich und ließ aus dem ganzen Gestapogebäude Beamte und Beamtinnen herbeikommen, um diesen sonderbaren ,, Heiligen " anzusehen, der ein Deutscher. sein wolle und es so mit der Kirche halte.
Ich fühlte, welche Auswirkungen es für meine Frau haben würde, daß sie sich auf Punkte der Kleiderkarte, obwohl sie evangelisch war, einen katholischen Trauschleier besorgt hatte. All diese Dinge, die man mir vorgeworfen hatte, würden nun über sie hereinbrechen und ganz beklommen wurde mir ums Herz.
An meinen Betrieb dachte ich, der mit großer Sorgfalt geführt worden war, und an die Anhänglichkeit der Polen und Ukrainer . Im Gegensatz dazu hatte ich die Machenschaften der Deutschen zu befürchten.
Wir gerne hätte ich meiner Frau mein Leid geklagt, als am Abend auf dem Block Briefschreiben war und ich das erste Mal an die Reihe kam. Wohin soll ich adressieren?, fragte ich mich, wußte ich doch nicht einmal, ob sich meine Frau noch in Lemberg befand, und es war mir höchst ungewiß, ob unter den obwaltenden Umständen dieses jämmerlich eingeschränkte Lebenszeichen, dieser 15- Zeilenbrief, sie auch erreichen würde.
Nicht einmal das Briefschreiben ging ohne Reibereien vor sich. Wir mußten beim Blockführer antreten, und als sich ungefähr 40 meldeten, die Genehmigung haben wollten, zu schreiben, bekamen nur 15 einen Lagerbriefbogen ausgehändigt: mehr sei nicht da". Da half mir der Bibelforscher, mit dem ich öfters diskutierte, mit seinem Vorrat aus.
Der Kopf dieses ersten Briefes besagte zu deutlich, wo ich mich befand, und so schrieb ich denn am 6. 12. 1942:
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Meine liebe Elisabeth!
Allem voran möchte ich Dir sagen, meine Gedanken waren immer bei Dir, auch wenn ich Dir nicht schreiben


