der Tod von ihr nahm. Nachts, wenn wir in unserem Lemberger Heim im Schlaf Erholung fanden, wähnte sie die verstorbene Mutter in fieberhaften Träumen immer wieder bei sich und führte lange Gespräche mit ihr.
Ich wußte um ihre Anhänglichkeit zu unserem mit aller Liebe aufgebauten schmucken kleinen Heim, das sie zu einem ehelichen Idyll ausgebaut hatte. Ich mußte fürchten, daßẞ all dies, was wir uns mühsam und mit Liebe und Geschick aufgebaut hatten, was zugleich der Ausdruck unserer künstlerischer Veranlagung war, vielleicht schon zerstört war von unseren Widersachern. Ich fürchtete, daß das christliche Gepräge unserer Heimstätte, die Madonnenbilder und kleinen Skulpturen, das Resultat langjährigen Sammelns und idealer Begeisterung für Kunst und Kulturwerke, vielleicht schon von den Schergen des Satans, von den SS - Banditen, denen unser Leben und Lebenswandel in Lemberg ein Dorn im Auge war, zerstört sein konnte. Ich mußte annehmen, daß unsere Bekanntschaften und Freundschaften zu anständigen, unterdrückten polnischen Familien diese in gefährliche Lage gebracht haben könnten. Es war der Vorbesitzer der Druckerei darunter, die ich leitete, der seine nächsten Verwandten in meinem Betrieb beschäftigte, und zu denen wir ein inniges Verhältnis hatten, so daß meine Frau die Schwester und Mutter des Besitzers, die beide gut deutsch sprachen, mit Mami und Omi anredete. Ich nahm an, daß man ihr, wie vorher mir, bei den Verhören nun den Strick drehen wollte. Ich wußte nur zu genau, daß man uns unsere sonntäglichen Besuche der Bernhardinerkirche, unser stilles Einssein mit Gott, nun zum Verhängnis machen wollte. Ich wußte, daß man ihr, genau wir mir, die Besuche des Lytschakower Friedhofes, der Dominikanerkirche, der alten Klöster und Kapellen, der Gottesstätten Lembergs, verargte und uns heimlich nachspürte. Ich wußte, daß auch für meine Frau nun das Nachspiel dafür zu erwarten war, daß ich, als wir heirateten, mich an das katholische Pfarramt St. Ludwig in München gewandt hatte und mir dieses Weisung gab, mich an das Pfarramt des augenblicklichen Wohnortes zu wenden, wenn ich mich wieder verheiraten wolle.
Und so kam für mich nur Radom in Polen , damals im sogenannten Generalgouvernement gelegen, in Frage. Der polnische Pfarrer lehnte jedoch meine Bitte ab und sagte mir, ich
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