DER GALGEN
Es zittern die Hände,
Es wanken die Wände:
Vor den Baracken ein Häftling den Galgen zimmert. Im Hof ein armer Hilfloser wimmert.—'
Nun ist es so weit:
‚Schon wieder die Zeit
Zur Versammlung, zum Abendappell!
In der Mitte steht das Mordgestell!—
Es strömen herbei die großen Massen,
Die zwanzigtausend Lagerinsassen,
Aus der Buden drückender Enge.® Vorn die Capos in despotischer. Strenge.-
Die Menge im Zebragewand,
Auf dem Platz, im dürren Sand,
Muß Stunden um Stunden stehen,
Um dann das Schauspiel anzusehen:
Mit fahlem, falschem Gesicht
Der SS-Mann verkündet Himmler’s teuflisch Gericht.
Und mitten durch die Menge wankt, dem Tod verschrieben, Gekettet, der Hilflose, von$$ dem Galgen zugetrieben. Den Fallstrick legt er sich selber um.
Alles blickt lethargisch stumm.
Da hebt zum Gruß der Scheidende nochmals die Hand, Und alle haben seinen Spott und Mut und Gott erkannt.
Der Galgen knarrt, der Körper fällt.— Die Menge starrt, den Atem hält!-
25. 7. 1945. Bert Utsch.
9


