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Halt Wacht im Dunkel / Hiltgunt Zassenhaus
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geben. Man ließ ihn nicht gehen, als er in verwirrten Briefen schrieb, daß Mauern auseinanderbersten würden. Nun liegt ein Trümmern, zerschlagen.

ganzes Land

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Die skandinavischen Gefangenen werden gerettet. Im April geschieht ein Wunder, sie werden in ihre Heimat geholt. Das Schwedische Rote Kreuz übernimmt die Rückführung. Die Verwirrung ist schon so groß, daß man sie ziehen läßt.

Die letzten Tage des April sind sommerlich warm. Doch mich friert. Für uns ist der Krieg noch nicht zu Ende. Die Gedanken gehen zu den Millionen deutscher und ausländischer Gefangenen, die noch immer hinter Mauer und Stacheldraht festgehalten werden. Wieder treten Millionen den Marsch in die Gefangenschaft an. Sie kommen aus dem Dunkel, sie gehen ins Dunkel

Und dann kommt der Mai. Es ist noch Krieg, und es ist doch keiner mehr. In der Ferne donnert die Artillerie. Auf der Straße zieht müden Schrittes der Volkssturm. Aber schon jagt durch die Stadt das Gerücht: Hamburg wird kampflos übergeben.

Wie lau die Luft ist! Es treibt mich an diesem warmen Frühlingsabend hinaus. Seit der letzten Reise habe ich nichts mehr von dem dänischen und norwegischen Pfarrer gehört, nun mache ich mich auf den Weg zur norwegischen Seemannsmission.

Ich gehe die Helgoländer Allee hinunter zum Hafen, vorbei am Bis­marck, der ebenso ehern steht wie an dem Tage, als ich ihm einen über­mütigen Blick zuwarf. Damals hastete ich an ihm vorüber, und die Freude im Herzen nahm mir den Atem. Denn es war mir, als ob ich die Botschaft vom Frieden brächte, und doch war es nur die Nachricht von der Be­freiung eines einzigen Gefangenen. Heute eile ich mich nicht. Niemand wartet auf mich!

Wenige Minuten später komme ich wieder am Bismarck vorbei. Auf dem Rückweg. Die Seemannsmission war nur noch ein Haufen Steine. Sie sei schon bei einem der Angriffe im März getroffen worden, berichtet mir eine alte Frau.

Ich gehe weiter auf die Reeperbahn zu. Am Himmel verblassen die rosa und lila Abendwolken, und die silbernen Streifen werden matter. Zu dieser Stunde blitzten vor langer Zeit auf der Reeperbahn die ersten Lichter auf. Tanzmusik erklang, und Tausende von Menschen stürzten sich in das glitzernde Leben von St. Pauli. Nun ist es erloschen. An den leeren Häuserfassaden huschen die Menschen vorbei, stumm und in sich gekehrt. Aber irgendwo regt sich doch noch Leben. Da ist eine Holzbude, die eben geöffnet wird. Es gibt Dünnbier und Fischsalat. Nur wenige Minuten vergehen, und schon drängen sich viele um den Ausschank. Einige Sol­daten springen über die Planke, um sich einen besseren Platz zu sichern. Sie helfen einem Kameraden herüber, der am Stock geht. Sie lachen und johlen und singen: ,, Mit dem Holzbein kommst Du eher' rein

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