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Halt Wacht im Dunkel / Hiltgunt Zassenhaus
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Ich muß Sie noch einmal dem Chef vorführen! Der Grüne holt sich-

noch einen zweiten Wachtmeister herbei. Er läßt uns mit ihm auf dem Gang zurück und spricht allein mit dem Chef.

Sie haben meine Anweisungen nicht befolgt! Der Chef hat eine Akte vor sich und einen Zettel mit Notizen.Sie haben die Unterhaltung.nicht übersetzt und Sie haben es zugelassen, daß der Pfarrer aus dem Testament vorlas.'' Der Chef legt sein Gesicht in die freundlichsten Falten:Ich sage nur eins: Bericht nach Berlin an die oberste Stelle. Die Folgen sind Ihnen bekannt\.

Ich verteidige mich nicht. Ich bin ruhig wie nie zuvor. Noch klingen

die Worte in mir:Es ist alles vorbereitet. Meine Arbeit nähert sich

ihrem Abschluß, sie endet am eisernen Tor des Zuchthauses.

Wir standen allein in den Jahren, die hinter uns liegen. Wenn sich das Tor zur Freiheit öffnet, werden viele Helfer bereit sein. Mich wird man dann nicht mehr brauchen. Komme also, was da wolle! Ich bin ohne Angst, denn es geht zu Ende so oder so.

Irgendwann spät abends gab es Alarm. Oder war es nicht so? Ich habe fest geschlafen und nur wie aus unendlicher Ferne die Sirene gehört. Dann

"lag ich: für Sekunden oder Minuten wachim Dunkel des Hotelzimmers

und dachte an das» Dunkel jenseits der Klappe in der Baracke. Und plötz-

"lich fiel ich, versank in ein Nichts und war wieder eingeschlafen.

Ich schrecke hoch. Starkes Klopfen an der Tür.Was gibt's? Mein erster Gedanke gilt den Worten des Chefs:Die Folgen sind

"Ihnen bekannt" Gestern wär ich ohne Angst, heute bricht mir

der Schweiß aus allen Poren.. Es klopft noch einmal. Es ist gar nicht so stark, wie ich beim Er- wachen glaubte.Drei Uhr! Ihr Zug. Sie müssen aufstehen!

Ja, richtig unser Plan. Wir wollen mit dem Frühzug Bautzen ver-, lassen, um noch einige Stunden Aufenthalt in Dresden zu haben. Ich will

Dresden , die Stadt ohne Ruinen, sehen.

Frischer Schnee ist gefallen. Wieweich er ist! Die Schuhe versinken darin. Wir gehen mitten auf der Straße. Gestern gingen Gefangene, die von der Arbeit im Außenkommando zurückkehrten, den. gleichen Weg. Aber ihre Spuren sind verwischt. Der Himmel ist bedeckt, so neblig grau- schwarz. Es gibt noch mehr Schnee; bald werden auch unsere Spuren Ver- wischt sein.

Der Bahnhof ist kaum erleuchtet. Nur am Knipserhäuschen brennt eine Birne, deren Lichtschein sich in der dunstigen Schneeluft zerfuselt. Nur wenige Menschen. sind da, sie hocken auf Rucksäcken und Koffern.

Wann geht der Zug?

. Niemand weiß es.Auf den Zug von München nach Berlin , der schon,

vorgestern- hätte durchkommen müssen, warten wir immer noch,, sagt ein Eisenbahner.Heute nacht waren sie gewiß wieder in Dresden .

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