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Halt Wacht im Dunkel / Hiltgunt Zassenhaus
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Wachtmeister zugegen sein soll und ich ihm Satz für Satz übersetzen müsse. Ich befolge die Anweisung nicht. Der Grüne verhält sich schweig­sam. Aber schon seine Anwesenheit genügt, um uns den Druck fühlen zu lassen, der dieser Anstalt zu eigen ist. Die leise, im gezwungenen Ton geführte Unterhaltung erinnert mich an jenen Tag, als wir zum erstenmal in Zuchthaus gewesen sind. Das Gesicht des anwesenden Grünen trägt denselben steinernen Ausdruck wie das des Plakats, das die Unterschrift trägt: Unser ist der Sieg.

Wir sehen den Rechtsanwalt wieder. Das letztemal sind wir bei ihm gewesen, als er noch im Untersuchungsgefängnis in Hamburg war, am Tage vor den Großangriffen auf Hamburg . An Jahren liegt es nicht lange zurück, und dennoch scheint es mir, als sei es ein Menschenalter her. Wieder sehe ich die abwehrende Handbewegung vor mir, und die Frage, damals durch die nachfolgenden Schreckenstage ins Unterbewußtsein ver­sunken, taucht aufs neue auf: Lag in seinem Blick Angst, Trotz oder Über­zeugung, als er Gottes Wort zurückwies?

Inzwischen ist er verurteilt worden. ,, Es wurde Gefängnis. Wenn die Strafzeit um ist, werde ich in ein KZ überführt." In den Augen flackert es unruhig.

,, Wann ist es soweit?"

,, In vier Monaten." Er verstummt. Dann gibt er sich einen Ruck, als habe er sich zu etwas entschlossen. Langsam setzt er hinzu: ,, Beten Sie, daß es bis dahin zu Ende ist."

Ich sehe ihn lange an. Welch einen Weg ist er gegangen, um so zu sprechen?

Es muß zu Ende gehen, viel schneller als erst in vier Monaten. Die Gesichter der Gefangenen sagen es mir gerade an diesem Tag, als wir nicht frei miteinander sprechen können. Es muß zu Ende gehen, so oder so! Ich selbst bin wie ausgepumpt. Der Satz, den ich hundertmal in Ge­fangenenbriefen gelesen habe, gilt nun auch für mich: ,, Der Kopf ist mir so leer."

Sonst gelang mir ein Lächeln der Überzeugung, wenn ich beim Ab­schied in den Augen der Gefangenen die stumme Frage las: ,, Wann?" Ich vermochte mit der gleichen Festigkeit zu antworten: ,, Bald!" Doch unter dem starren Blick des Grünen erstirbt das Lächeln.

Da geht die Sirene.

In den Wachtmeister kommt Leben. ,, Unterbrechen Sie Ihren Besuch. Die Gefangenen müssen zurück auf die Zelle."

Es dauert zwei Stunden. Über den blauen Winterhimmel ziehen Kampf­geschwader.

Tod und Vernichtung! Sangen gestern die Räder des Zuges nicht ,, Stumpfsinn"? Wieder spüre ich ihren Rhythmus und stütze den Kopf in die Hände. Ich denke an Soldaten, deren Marschgepäck wohl noch immer in irgendeinem Gepäcknetz liegt, denn ihr Zug rollt weiter nach

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