Druckschrift 
Halt Wacht im Dunkel / Hiltgunt Zassenhaus
Seite
249
Einzelbild herunterladen

und bau.

aus! rch­

von

nen

Sein

teht als

SO

sich

die

eits

iner

Ge­

ver­enso

der

reif,

den der!

sser

end An­

nen

uns

Und

auf

gels. dere

be­

Iten

eine

gen

Loch

Ich weiß nicht, was mir den Mut gibt, in Anwesenheit dieses alten Amtmannes einen großen Karton hervorzuziehen und ihn seelenruhig zu öffnen. Vielleicht bin ich so sicher, weil ich fühle, es geht zu Ende. Oder sind es die kaisertreuen Augen?

Unwirsch schüttelt der Alte den Kopf, als ich den Gefangenen Brot anbiete. Freundlich frage ich ihn: ,, Wenn es in anderen Anstalten so Sitte ist, warum nicht auch bei Ihnen?" Grollend läßt er mein Treiben zu.

Als ich aber eine Tüte Bonbons hervorziehe, wird er ernstlich unge­halten. ,, Meinetwegen Brot, das ist gegen den Hunger. Aber Bonbons?

Nein!"

Da bietet ihm der Konsularbeamte eine Zigarette an. Der Amtmann zögert und sieht unsicher zu mir herüber. Da greife ich wieder zur Tüte. ,, Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, Herr, Amtmann

Nun, nicht nur der Kaiser bekommt Zigaretten! Der Amtmann macht es uns leicht. Jedesmal, wenn wir uns von einer Gruppe von Gefangenen verabschieden, gibt es für ihn etwas Wichtiges draußen auf dem Gang zu tun.

Aus dem Nieseln des Morgens ist am Abend peitschender Regen ge­worden. Der Zug, in dem wir sitzen, hat keine Fenster mehr. Die Türgriffe sind entzwei, so daß die Türen während der Fahrt offenbleiben. Wir nehmen eine Schnur, führen sie von dem einen Türgriff des Abteils bis zum anderen und ziehen dann die Türen zu. Aber auch das gibt noch keinen Schutz. Ich schlage den Kragen des Mantels hoch, doch der Regen findet immer wieder irgendwo eine Ritze.

Es ist dunkel. Nur ab und zu schimmert durch die schwarzen Fenster der endlosen Häuserreihen ein Lichtstreif. Die Umrisse der Ruinen ragen schattenhaft in die Finsternis herein. Es ist mir, als brauchte ich nur den Arm auszustrecken, um sie zu streifen.

Aber im Rumpeln der Räder versuche ich, Ruinen und Zuchthaus zu vergessen ich vergrabe mich noch tiefer in meinen feuchten Mantel und stelle mir vor, ich sei zurück in meiner Kindheit.

-

Nach einem langen verspielten Tage, wenn ich des Abends noch nicht einschlafen kann. Ich dichte. Unruhig werfe ich mich im Bett hin und her, wenn mir der Vers nicht gelungen scheint. Da habe ich den Reim! Wenn ich ihn nur behalte! Ich sage ihn mir vor, einmal, zweimal. Am nächsten Morgen ist er längst vergessen.

Denn zwischen Abend und Morgen liegt die Zwiesprache mit Gott . Es ist kein Abendgebet. Wie könnte ich wohl zu Gott anders sprechen als zu meiner Mutter? Mit ihr rede ich doch auch nicht in Versen oder ab­gezirkelten Worten. Die Zwiesprache mit Gott ist stumm. Ich weiß wenig von Gott . Er aber weiß alles von mir, darum brauche ich nicht zu ihm zu sprechen. Er sieht mich immer; ich habe noch nie in sein Antlitz geschaut. Ich kenne nur seinen Mantel er ist unendlich weit und von himm­

-

249