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Halt Wacht im Dunkel / Hiltgunt Zassenhaus
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rung ereignet sich dasselbe. Die Behörden entschließen sich zur Verlegung des Hinrichtungskommandos nach Bützow . Diese Anstalt, sonst nur eine von vielen, gewinnt nun Bedeutung.

,, Morgen kommt der erste Transport," wiederholt der Chef. Er ist auf­geregt. Das unrasierte Gesicht ist rot angelaufen, so daß der. Schmiẞ über der Nase noch deutlicher hervortritt. ,, Ich selbst bediene den Apparat, und Sie sollen sehen bei mir klappt es." Er steht auf und greift zu dem grünen, bayrischen Hut mit der kurzen Feder, der ihm das Aussehen eines munteren Bergsteigers verleiht. ,, Entschuldigen Sie mich. Ich bin eilig. Ich muẞ' mal hinüber und nach dem Rechten schauen. Übermorgen geht es los." Er bleibt noch einmal stehen: ,, Übrigens wenn Sie es mitmachen wollen? Dann müßten Sie aber sehr früh aufstehen. Sozusagen stück."

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vor dem Früh­

Das wird so dahingesprochen, weder gemein, noch roh. In den gutmütig blinzelnden Augen vermag ich keinen zynischen Ausdruck zu entdecken. ,, Wir haben Angst um dich!" sagen die Gefangenen am nächsten Tage. ,, Wir haben gesehen, wie sie zum Keller geführt wurden. Es waren sieben­undzwanzig. Sie gingen in Ketten; auch eine Frau war dabei."

Einen Tag später findet die Hinrichtung statt, frühmorgens. Als wir kommen, geht das Zuchthausleben schon wieder seinen trägen Gang.

Wenn wir das Zuchthaus verlassen, haben wir nur leichtes Gepäck. Papier wiegt nicht schwer! Ich nehme Manuskripte, Zeichnungen, Gedichte und Tagebuchblätter mit hinaus. Gedanken aus einem Totenhaus, in das die Vorbereitungen zu einer Hinrichtung neues Leben und Abwechslung ge­bracht haben.

Wir sitzen im Dienstabteil eines Personenzuges, außer uns noch drei oder vier andere. Schräg gegenüber von mir ein Mann in brauner Uniform mit silbernen Schnüren. Mit einem flüchtigen Blick streife ich die kleinen, braunen Jettaugen in dem viel zu runden Gesicht. Kreisleiter, stelle ich bei mir fest.

Die Fahrt wird lang werden. Erst nach Mitternacht können wir in Ham­ burg sein. Ich nehme mir eine Akte und mehrere Gefangenenbriefe hervor und fange an zu lesen.

,, Wie es zieht!" höre ich nach einiger Zeit den braunen Mann mir gegen­über sagen. Er steht auf und nimmt den Platz ein, der noch neben mir frei ist. Obgleich ich nicht aufgesehen habe, fühle ich, daß irgendeine Spannung in der Luft dieses Dienstreiseabteils liegt. Ich glaube zu bemerken, daß der braune Mann mich beobachtet. Doch ruhig lese ich weiter.

,, Was machen Sie da?" fragt er wenige Sekunden später.

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Das Auge bleibt auf dem Bogen haften. Gefahr ist im Anzuge! Nicht wegen der Briefe; ich darf die Gefangenenpost lesen, wann immer ich will. Aber darunter liegt die Mappe: Manuskripte, Zeichnungen und Tagebuch­blätter! Es überläuft mich siedendheiẞ.

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