dachte, die mir gestellte große Aufgabe zu lösen und vergaß darüber das Nächstliegende. Im Laufe des Krieges schrieb ich Willfried nicht einmal ein Dutzend Briefe.
Dann hat der Tag mich wieder, jeder einzige Tag.
Die Meldung von der langerwarteten englischen Landung in Frankreich läßt mich aufatmen. Vielleicht geht es nun schnell zu Ende und doch wiederkommen!
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Das Telefon klingelt. der Pfarrer: ,, Wann fahren wir nach Bützow ?" Ich reise, ich lese Briefe, ich arbeite und studiere. Doch bei allem, was ich tue, bleibt die Beschämung darüber, daß ich, um vielen zu helfen, an einem gefehlt habe.
Sie sind noch weit fort von deutschen Grenzen. Auf dem Atlas muß ich mit der Lupe suchen, ehe ich die Stelle finde, an der sie gelandet sind. Und dennoch von nun an wird die Auflösung immer sichtbarer. Auch im Zuchthaus. Das Drinnen und Draußen verwischt sich. Dieser Sommer 1944 ist die letzte Vorbereitung zu dem Elendszuge, den die Menschheit im Jahre darauf antritt.
Beim Verlassen des Zuchthauses vergessen wir nie, einander zu erinnern: Vorsicht!" Die leicht gewordenen Koffer dürfen nicht leicht getragen werden.
Eines Tages im Sommer bedarf es nicht der Mahnung, da gehen wir mit schweren Koffern hinaus!
Woher wissen die Gefangenen, daß ich Geburtstag habe?
Als wir morgens hineinkommen, legen schon die Gefangenen, die im Hof Freistunde haben, die Hände ineinander und schütteln sie. Soll es heißen: Wir gratulieren?
Und dann im Besuchszimmer! Einer nach dem anderen zieht aus dem Jackenärmel, aus dem Fußlappen oder unter dem Jackett ein Päckchen hervor.
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Stiefelleder! ,, Von deinen Freunden aus der
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Schusterwerkstatt."
Hefte und Notizbücher, in Silberpapier und Pappe gebunden, von der Buchbinderei.
Gürtel, Lesezeichen und Buchhüllen. Ein hölzerner Absatz oder eine Glocke, gehämmert aus Eisen. Ein Korb aus der Korbflechterei, winzig und zierlich. Darin eine Rose. ,, Dem Wachtmeister entwendet!"
Blumen aus Stoff oder ein Gedicht; Puppen, Bären und Ringe aus Holz geschnitzt. Nie wurde ich so vielfach beschenkt, nie fühlte ich mich reicher als an jenem Tage. Die Geschenke sind entwendete Dinge, heimlich zusammengebastelt. Wann wäre wohl mit reinerem Herzen gestohlen?
Ein Brief ist auch dabei. ,, Das neue Lebensjahr wird Dir und uns die Freiheit bringen!"
Sie sagen ,, Danke!" und geben mir die Hand. Bin ich es nicht, die danken muß, daß mir eine Aufgabe zuteil geworden ist, aus der allein
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