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Halt Wacht im Dunkel / Hiltgunt Zassenhaus
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ein Beamter im Strafvollzug. Seine Nase ist aufreizend rot. Er ist Ober­regierungsrat; im Knopfloch steckt das Parteiabzeichen.

Der Amtmann der Anstalt ist auch zugegen; in braunen SA- Hosen. Ich beobachte, wie sich der Oberregierungsrat und der Amtmann mehrfach Blicke zuwerfen. Die Augensprache ist nur zu deutlich! Ob sie von der Gestapo ist? Wahrscheinlich; jedenfalls vorsichtshalber sich gut mit ihr stellen!

,, Ich mache Sie darauf aufmerksam," sagt der Chef ,,, daß ich nichts mit der Zensur und Besuchsüberwachung der Dänen und Norweger zu tun habe. Das ist ausschließlich Ihre Sache!"

Es könnte nicht besser sein!

Später gehen wir an Hand einer Liste die skandinavischen Gefangenen durch. ,, Wie können wir die Leute am besten verwerten? Sie kennen sie. Raten Sie uns."

Es gelingt, fortan Freunde und Kameraden, Väter und Söhne an ein und demselben Arbeitsplatz unterzubringen. Der Oberregierungsrat, läßt mir so freie Hand, wie ich es kaum je zu hoffen gewagt hätte. ,, Von mir aus kann der Pfarrer so oft kommen, wie er will. Das hängt von Ihrer Genehmigung ab." Sein Entgegenkommen erklärt sich nur aus dem Bestreben, möglichst wenig mit dem vermeintlichen Mitglied der Gestapo zu tun zu haben!

,, Sie überwachen anscheinend alle Skandinavier in deutschen Anstalten?" fragt mich der Chef. ,, Die Generalstaatsanwaltschaft hat bestimmt, daß Sie auch für meine Anstalt beauftragt werden sollten." Einen Augenblick be­sinnt er sich, dann sagt er: ,, Übrigens die Oberin des Frauengefängnisses erwartet Sie zu einer Unterredung."

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Was will die Oberin von mir? Ist es vielleicht die Beamtin, die Dänisch sprechen kann? Wieder regt sich das Mißtrauen.

,, Endlich sehen wir uns wieder!" Die Oberin des Frauengefängnisses am Schloßplatz streckt mir beide Hände entgegen. Ja, sie ist die ,, dänisch sprechende Beamtin" und gleichzeitig eine alte Freundin von mir! Kaum glaube ich meinen Augen zu trauen.

Sie ist die Oberin, die ich vor vielen Jahren im Dänischen unterrichtet habe. Durch sie hörte ich zum erstenmal vom Gefängnisleben. Wie ver­wunderte ich mich damals darüber, daß es im Dritten Reich für eine Frau wie sie möglich war, noch in leitender Stellung im Strafvollzug zu bleiben. Erst in den Jahren, die folgten, erfuhr ich, daß gerade im tiefsten Dunkel gute Kräfte im Verborgenen wirken.

-

,, Ich habe Sie erwartet und Ihre Ankunft gut vorbereitet!" sagt sie lächelnd. Darum also war der Chef SO entgegenkommend, deswegen zwischen ihm und dem Amtmann die Blicke! Vor fünf Jahren sah ich die Oberin zum letztenmal. Es ist, als wären wir erst gestern zusammengewesen. Sie errät, ohne daß ich es ihr sage, warum ich die Gefangenenarbeit über­nommen habe.

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