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Halt Wacht im Dunkel / Hiltgunt Zassenhaus
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Tasche und zieht einen Füllfederhalter heraus. Er zerrt an ihm herum. Seine Hände zittern; er weiß ihn nicht mehr zu handhaben.

Vier Jahre Gefangenschaft. Ein Grauen überfällt mich. Das Zivilzeug ist wie etwas Fremdes an meinen Freunden. Es paßt nicht zu ihnen; sie passen nicht mehr hinein. Ich beginne zu ahnen, wie schwer es sein wird, wieder frei zu sein. Werden wir noch in die alten Kleider passen?

Jemand zupft mich am Ärmel. Es ist Ejvind. Er steht vor einem geöffneten Koffer und reicht mir eine farbige Photographie. ,, Das ist Randi!"

Das war Randi. Nicht nur ihr diesseits der Mauern habt ein anderes Gesicht bekommen! Wie nun, wenn die Gesichter der sich einst Wieder­findenden nicht mehr zueinander gehören? Mir bangt vor den Ent­täuschungen des Friedens.

Ich gehe hinüber zur Verwaltung. ,, Hat das Zuchthaus Bützow schon einen Dolmetscher für die dänischen und norwegischen Gefangenen?" ,, Hier nichts bekannt."

,, Dann stellen Sie eine telephonische Verbindung her." Ich gehe zurück ins Besuchszimmer.

,, Wirst du bei uns bleiben?" fragen die Gefangenen. Ich sage ,, ja," ob­gleich ich es noch nicht weiß. Doch ich glaube fest daran, weil es nicht anders sein darf. Noch werde ich gebraucht.

Das Telephon klingelt. Der Chef vom Zuchthaus in Bützow . ,, Dolmet­scherin? Nein, brauchen wir nicht. Wir haben eine Beamtin, die

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Dänisch spricht."

,, Es handelt sich aber nicht nur um die Sprache. Es geht um die Über­wachung. Ich verfüge über genügende Erfahrung."

,, Meine Beamtin auch.".

,, Ich kenne jeden einzelnen der Gefangenen."

Der Chef scheint zu überlegen. ,, Gut! Sie bekommen Bescheid."

,, In spätestens acht Tagen machen wir unseren ersten Besuch in Bützow !" sage ich zu den Gefangenen.

Sie schütteln mir aber die Hand und danken mir, als sei es ein Abschied für immer.

Als ich abends zurück nach Hamburg komme, erfahre ich, daß auch die norwegischen Gefangenen vom Zuchthaus Fuhlsbüttel verlegt sind. Otto, der Vorarbeiter im Kettenwerk, hat angerufen. Außerdem liegt ein Brief da. Von Onkel Hans. Inzwischen sind wir gute Freunde geworden! Er schreibt mir, daß Eilif und seine Kameraden fortgekommen sind.

Wenn in ganz Schleswig- Holstein die ausländischen Gefangenen verlegt werden, ist auch das Torflager Schülp geräumt. Ich liege noch lange wach, doch ich atme freier. Wohin aber kommen die Gefangenen, die nicht nach Mecklenburg verlegt sind? Wird es mir gelingen, ihnen allen zu folgen?

Die Augen fallen mir zu vor Übermüdung. Ich bleibe liegen, obgleich die Sirene Alarm gibt, halb im Schlaf, halb wach. Wenn nun wirklich eine Landung in Schleswig- Holstein erfolgt? Wenn wir abgeschnitten werden

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