Schon über eine Stunde bin ich in diesem hohen, grauen Zimmer. Erst jetzt erfahre ich, daß meine Tätigkeit in Rendsburg der Gestapo bekannt ist. Was wird die nächste Stunde Verhör bringen?
„Über dienstliche engeeaphheiten spreche ich nur das Allernot--
wendigste.": „Glauben Sie etwa, es wäre bei der Gestapo ———?"'— der unschein- bare Mann lacht leise auf.„Übrigens— Sie scheinen für. uns geeignet
zu sein. Liefern Sie uns Berichte über alles, was in den Anstalten vorgeht. Sie können etwas bei uns werden———" x:
Ist diese Auforderung ein Beweis des Vertrauens der Gestapo , oder soll sie mich nur zu größerer Offenheit bewegen?
Verstellung und Lüge ist in diesem Zimmer. Ich selbst bin ein Teil davon. Gedeckt von dem Schreibtisch, ballen sich meine Hände zu Fäusten. Wie ich euch hasse! Ihr, die uns zwingt, unwahr zu sein.»Ich hasse euch; ich hasse das System. Am meisten hasse ich mich selbst, denn ch er- . kenne, wie leicht mir die Verstellung fällt. s
„Sie können gehen. Aber ich glaube— wir haben uns nicht zum letztenmal gesehen."
Tief hole ich Atem; noch einmal frei. Und doch nicht frei, denn immer noch nicht kenne ich Ursache und Anlaß dieses Verhörs. Das ist das Quälende.
Verlassen liegt das graue Patrizierhaus da. Stuck und die gradlinigen
Fensterreihen verraten nichts von ledergepolsterten ‚und weißlackierten
Türen.
Sehr langsam lege ich den’ Weg zum Bahnhof zurück, als wüßte ich nicht mehr, wohin ich gehen soll. Ein Gedanke will mich nicht loslassen! Steht das Gute, das ich versuche zu tun, überhaupt in einem Verhältnis zur Unwahrheit, durch die es allein bedingt wird? Wiegt es die Verstellung auf? Eine Scheibe Brot— ein freundliches Wort— was ist das, schon?
Jenseits der Straße blinkt die plattgrüne Kuppel der Universität in der ‚winterlichen Sonne auf. Fortan werde ich nur noch studieren, beschließe
lassen, Wie wird es morgen sein? Ich sehne mich nach Ruhe, nach Sicher- heit und Geborgenheit. Fortan will ich regelmäßig in die Kollegs gehen. Zu Hause will ich mich in meinem Zimmer vergraben, nichts mehr hören
und sehen von der Welt! Die Schreibtischlampe wird brennen, und ich
werde.in Lehrbüchern lesen— bis tief in die Nacht. Und dann ruhig
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