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= bitten, mettern
Ich bin zu heute vorgeladen, doch in Lübeck warten sechzig Gefangene. Sie sind auf Nachtschicht gewesen, und morgens um sechs haben sie sich nicht wie sonst zum Schlafen gelegt, sondern Tische, Schemel und den Bretterboden der Baracke gescheuert. Sie bekommen Besuch!
Ich lege den Brief beiseite. ,, Das hat Zeit bis morgen. Ich fahre
Die Lubeka - Werke liegen außerhalb der Stadt. Vom Lübecker Bahnhof geht es noch ein weites Stück mit der Straßenbahn, bis zu einem Häuschen, in dessen Vorgarten mit weißem Kies in roten Mörtel ein Hakenkreuz eingelassen ist. Die Asphaltstraße, die daran vorbei landeinwärts biegt, führt zum Werk.
Wir sind diese Straße in brütender Sonne, bei nieselndem Regen, in Sturm und Wind und bei Kälte gegangen. Heute aber erscheint sie mir länger denn je zuvor. Ich denke an den unscheinbaren, blauen Brief von heute morgen. Sollte etwa Onkel Hans
Natürlich, Onkel Hans! Er ist Vorarbeiter bei den norwegischen Strafgefangenen in den Lubeka - Werken. Die Gefangenen sagen: ,, Er ist unser Freund!" Würden sie ihn sonst ,, Onkel Hans" nennen? Sie bekommen Brot und Kippen von ihm. Er nimmt Briefe für sie mit hinaus. Vor vierzehn Tagen hat Eilif mir geschrieben, Onkel Hans hat den Brief befördert.
Nun wird mir alles klar. Die Gestapo hat diesen Onkel Hans als Spitzel eingesetzt; seine Freundschaft zu den Gefangenen ist nur Tarnung.
Wir stehen am Rand der Mulde, in der das Werk liegt, übermalt mit braunen und gelben Streifen, gut getarnt. Alles ist Tarnung, die Freundschaft des deutschen Vorarbeiters zu den ausländischen Gefangenen und das Schild, das an der vordersten Werkhalle befestigt ist: Weißblechdosen. In der Halle laufen Maschinengewehrteile über das laufende Band. Die Schreibstube ist in eine Wolke von Rauch gehüllt. Drei Männer sitzen um den Tisch, einer mit zwei Sternen, der andere mit einem, der dritte in Zivil.
,, Sie müssen noch einen Augenblick warten," sagt der Grüne mit den zwei Sternen. Er ist Hauptwachtmeister. Es ist gerade Essensausgabe." Er steht auf und räumt mir seinen Platz ein. Für den Pfarrer schiebt er einen Hocker heran. Unter dem Tisch kommt ein Schäferhund hervor und drängt sich schwanzwedelnd an mich heran.
,, Die Leute haben von Rechts wegen gar keinen Besuch verdient! Ich habe die Baracke überholt und dabei herausgefunden, daß einige Gefangene die Seiten des Testaments beschrieben haben." Der Hauptwachtmeister wendet sich an den Mann in Zivil. ,, Habt ihr mich nicht bis zur Werkhalle gehört? Mir soll einer nachsagen, daß hier kein Drill ist!"
Der Mann in Zivil begrüßt mich in einer Haltung, als wolle er sagen: ,, Aha, Kollegen!" Er ist Betriebsobmann und Mitglied der Gestapo . Hellblondes Haar und wässrig blaue Augen, die schwärmerisch in die Ferne gerichtet sind. Er ist oft in der Schreibstube.
13 Halt Wacht im Dunkel
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