Morgen geht es nach Lübeck ! Morgen? Eigentlich heute, denn es ist weit nach Mitternacht. Ich knipse das Licht aus, taste über den Schirm der Schreibtischlampe. Wie warm er noch von der Birne ist!
Dann liege ich wach im Dunkel und denke an die in Zeitungspapier gewickelten Nelken. Sie stehen noch im Keller; ich werde sie mit nach Lübeck nehmen. Zum erstenmal außer Brot, Medikamenten und der Wahrheit Blumen!
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Marschmusik im Radio. Hastig beende ich das Frühstück, immer mit halbem Blick zum Lautsprecher, als könne ich ihn damit bannen, weiterzuspielen. Nur weiter, weiter mit der Musik! Setzt sie aus, beginnt es im Radio leise zu tuten, ist Alarm im Anzug. Dann ruht innerhalb der Stadt aller Zugverkehr. Wie dann zum Hamburger Hauptbahnhof kommen? Wären wir nur erst im Lübecker Zug.
Ich bin schon in Hut und Mantel, greife zur Aktenmappe. Sie läßt sich nur mühsam schließen. Aus einem Zipfel Papier , der aus der Ritze der Tasche hervorsieht, blinkt es, rot. Ein feiner Duft nach Nelken strömt durch das Zimmer.
Meine Mutter begleitet mich bis zur Haustür. Ich gebe ihr die Hand und sage: ,, Es wird spät werden heute nacht."
Rascheln; etwas fällt durch die Briefklappe der Tür. Ich bücke mich danach, sehe flüchtig darauf. Ein blauer Umschlag ohne Marke. Dienststempel. Und der Absender?
Die Tasche wird zu Boden gestellt. Ich gehe zurück ins Zimmer. Die Hand zittert ein wenig, als ich den Brief öffne. ,, Eine Vorladung von der Gestapo ", sage ich zu meiner Mutter.
Noch einmal überfliege ich die Zeilen: ,, Sie werden gebeten
Der Brief ist schon vor drei Tagen abgeschickt. Die Vorladung lautet auf heute vormittag.
Gestapo ! Sie verschickt ihre Vorladungen in alle Richtungen. Viele sind schon vor mir dorthin gegangen. Sie kamen wieder, oder sie wurden zurückgehalten. Undurchdringlich ist das Gesicht der Gestapo ,,, Sie werden gebeten
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Eisig legt es sich mir übers Herz. Angst, rasende Angst. Wollen sie nur eine Erkundigung einziehen, oder haben sie etwas über meine Arbeit __? Oder in Erfahrung gebracht? Sollte irgendeiner im Zuchthaus hat es überhaupt nichts mit meiner Gefangenenarbeit zu tun? Habe ich im Bekanntenkreis eine unbedachte Äußerung gemacht? Oder an der Universität? Ausgeschlossen! Ich spreche nur offen zu meiner Familie und den wenigen Freunden, die uns zehn Jahre des Mißtrauens noch gelassen haben.
,, Sie werden gebeten
-". Sie kommandieren nicht. Sie bitten, denn sie wissen, die Gebetenen werden kommen. Im Radio schmettern Waldhörner einen Jägermarsch.
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