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Halt Wacht im Dunkel / Hiltgunt Zassenhaus
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Das Programm für heute abend!

Die Schreibmaschine klappert; die Bogen füllen sich. Über dem Noten­bild ist es dunkel. Nur die Gegenwart lebt.

Ein Antrag auf Strafaussetzung für den geistesgestörten Tarald ist seit langem unterwegs. Nie kommt eine Antwort. Ich übersetze den letzten Brief, den Tarald an seine Eltern geschrieben hat, und schreibe ein neues Gesuch auf Verlegung in das Lazarett. Ein Begleitschreiben für den Ober­inspektor. Diesmal muß es gelingen!

Rolf hat Rheuma . Er ist nicht älter als fünfundzwanzig. Tagsüber sticht er Torf, auch bei strömenden Regen. Nachts liegt er mit zwanzig anderen Gefangenen in einem vor Feuchtigkeit triefenden Stall. Das Rheuma wird er sein Leben lang behalten.

An der Front werden den Soldaten Beine und Arme amputiert! Sie kommen als Krüppel wieder. Sie mögen sich glücklich preisen, nicht ge­fallen zu sein! Warum also soviel Aufhebens, wenn ein Gefangener Rheuma hat?

Stört mich nicht bei der Arbeit! Jeder dieser Gedanken ist keine Sekunde Verzug wert! Geben wir es doch auf, Not und Leid in Graden zu messen. Wo wäre die Norm? Müssen erst Hunderte, Tausende fallen, ehe sich der Wunsch in uns regt, zu helfen? Zwar liegt es nicht in der Macht des einzelnen, den Krieg zu beenden, doch innerhalb der eigenen Arbeit stehen uns alle Kräfte des guten Willens zu Gebot.

Gegen Rheuma soll ein Katzenfell das Allheilmittel sein. Wenigstens glaubt Rolf fest daran. Der Glaube kann im Zuchthaus keine Mauern ver­setzen, doch hat er heilende Wirkung; denn in der Absperrung der Zelle steigert sich die Anfälligkeit, aber auch die Überzeugung, daß jede Er­krankung bei geeigneter Behandlung behoben werden kann.

Also ein Katzenfell! Wenn Rolf es bekommt, wird er schon am nächsten Tag weniger Schmerzen haben. Die Schreibmaschine klappert. Ein Brief an meinen Bruder: ,, Schicke mir ein Katzenfell." Wenn er es liest, wird er nicht fragen, wofür und warum. Er erhält oft solche Briefe. Manchmal steht darin: Schicke mir Vitamintabletten", manchmal bitte ich um irgendein Medikament. Oft heißt es: ,, Ich brauche Geld!"

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Wir sind eine verschworene Gemeinschaft meine Familie und ich. Ein langer heulender Ton: Entwarnung. So vertieft bin ich gewesen, daß ich nicht einmal das Alarmzeichen gehört habe.

Wie setze ich den Antrag für Ejvind auf? Ejvind, der vor einem Jahr im Zuchthaus Fuhlsbüttel von einem Lastwagen überfahren worden ist, dessen Gesicht durch die Narben so verändert wurde, daß ihn nicht ein­mal sein Vater wiedererkannt hat. Die künstliche Nase sitzt nicht; die Augen sehen doppelt; der Gaumen schmerzt. Ejvind bittet um Neuauf­nahme der Behandlung.

Vielleicht ist dieser Antrag ebenso ergebnislos wie alle anderen voran­gegangenen Gesuche. Ejvind aber wird wieder neue Hoffnung schöpfen,

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